Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
Seite
75
Einzelbild herunterladen

Kloster Arnsburg. 75

Der älteste Teil des Gotteshauses, welches dem letzten Drittel des 12. Jahrhunderts entstammt, stellt einen romanischen Pfeiler- bau dar mit einfachstem Grundriss. Von dem Vierungs- quadrate aus stösst ein Quadrat nach O. als Chor vor, je eines nach N. und S. bilden das Querschiff, zwei Quadrate nach W. das Hauptschiff, an welches sich ein rechtes und linkes Seiten- schiff in halber Breite anlegen. Bald aber muss die Kirche zu klein geworden sein; man verlängerte daher das Haupt- schiff um 2 ½ Quadrate, und dem entsprechend die Seitenschiffe genau im Sinne des vorhandenen Planes; aber unwillkürlich stiehlt sich in die Verbindung der Pfeiler, welche Haupt- und Nebenschiff scheiden, statt des bisherigen Rundbogens der flache Spitzbogen des früheren Uebergangsstils ein. An die Längsschiffe schliesst sich eine Vorhalle, das sog. Paradies, welches durch ein jetzt vermauertes Portal im rechten Seiten- flügel mit der Kirche zusammenhing, daher nur vom Hofe her zugänglich ist. An das nördliche Querschiff legt sich der alte Friedhof, ein überaus lauschiges und heimliches, von Bäumen überschattenes Plätzchen, auf dem noch die Toten der nächsten Umgebung ihre Ruhestätte finden.

Wir wenden uns zu dem in der Verlängerung des süd- lichen Querschiffs, getrennt von ihm durch die Sakristei, ge- legenen Kapitelsaal, einem etwa 100 Jahre jüngern gotischen Bau, welcher bei wichtigeren und feierlichen Gelegenheiten die Mitglieder des Ordenskonvents versammelte. Vier schlanke Pfeiler tragen neun rippenlose Kreuzgewölbe, die ihre übrigen Stützpunkte auf den an den Wänden angeordneten Säulen finden. Die Ostwand ist durchbrochen durch drei Fenster- anordnungen, in deren jeder ein gotischer Bogen drei Fenster- öffnungen überspannt, von denen aber die mittlere Gruppe neuerdings zu einem Eingang vertieft ist. In der Westwand öffnen sich zwei ebenfalls von Spitzbögen umrahmte Doppel- fenster, zwischen denen das Portal auf das sog. Brunnen- gärtehen führt, jetzt eine Obstanlage, deren Raum jedoch zu Mönchszeiten von dem Kreuzgang des Klosters eingeschlossen war. An der Nordseite desselben, an der Aussenwand des linken Seitenschiffs der Kirche, befindet sich ein beachtens- werter Grabstein des Ritters Johann von Falkenstein, 1365. In der Verlängerung des Kapitelsaals liegt das Konventshaus mit dem Dormitorium, den Schlafräumen der Mönche im Ober- stock, welches jetzt wenig Bemerkenswertes mehr bietet. Daran schliessen sich die für den Abt bestimmten Räume, welche in langer Flucht die Südseite der Klostergebäude abschliessen, unter ihnen der Küchen- und der Prälatenbau. Sie entstammen alle, wie die über den Portalen angebrachten Jahreszahlen ausweisen, der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts und sind