64 Burg Gleiberg.
Efalzgrafen von Thüringen, Rudolf I., zur andern an Hartrad II. von Merenberg. Als der Enkel des erstern seinen Anteil, insbe- sondere Giessen, 1265 an den Landgrafen von Hessen, Heinrich I., veräusserte, wurde der Besitzstand so geregelt, dass die Burg im Alleinbesitze der Merenberger blieb, welche dieselbe fünf Genera- tionen hindurch behaupteten und während dieser Zeit durch Er- weiterung der Aussenwerke sowie durch Ausbauten im Innern be- deutend erweiterten und verstärkten. Als aber bei dem Aussterben des Merenberger Mannesstammes 1328 das Gleiberger Erbe, aller- dings durch anderweitige Erbschaft und Schenkung stark ver- kleinert, durch die Tochter des letzten Grafen Hurtrad VI. an deren Gemahl, den Grafen Johann von Nassau-Weilburg, fiel, wurde sie der Sitz eines Nassauischen Amtmanns und verschiedener Burgmannen. Trotzdem hörte auch unter dieser Herrschaft, wenn sie auch nicht mehr als Residenz diente, die Bauthätigkeit, wie der sog. Nassauer Bau anzeigt, nicht ganz auf, und die Feste stand stolz und im ganzen wohl erhalten bis in den 30 jährigen Krieg hinein, dessen Ende sie jedoch nicht erlebte. Während des ver- derblichen Marburger Erbfolgekrieges zwischen Hessen-Cassel und Hessen-Darmstadt wurde sie 1646 von Hessen-Casselschen Truppen im Bunde mit den Schweden beschossen und musste nach tapferer Gegenwehr von dem Kommandanten, Hauptmann Hoffmann, am 9. Juni übergeben werden. Die Burg wurde geplündert und ver- brannt und ist seitdem Ruine. Nur die noch unter Dach ge- bliebenen Teile, der Albertus- und Nassauer Bau, dienten längere Zeit als Zehntscheuern und zu ähnlichen Zwecken, zuletzt standen auch sie leer und drohten ihrem Verfall rasch entgegen zu gehen.
Da machte man anfangs der dreissiger Jahren gelegentlich der trigonometrischen Landesvermessung, für welche der Gleibergturm als Dreieckspunkt gewählt und durch Leitern zugänglich gemacht worden war, die zufällige Entdeckung, dass derselbe eine ent- zückende Aussicht gewähre. 1837 bildete sich infolge dessen der Gleiberger Geselligkeitsverein mit seinem Sitz in Giessen, der so- fort unten im Turm eine Thür brechen und eine Treppe hinauf- führen liess, bei seinen geringen Mitteln sich aber zunächst darauf beschränken musste, einem weitern Verfall des Vorhandenen Ein- halt zu thun. Erst als derselbe 1879 sich beträchtlich erweiterte und durch Ausgabe von Anteilscheinen bedeutende Mittel verfüg- bar machte, konnte er seinem weiteren Zwecke gerecht werden, die geeigneten Teile der Burg, deren Eigentumsrecht ihm in dem- selben Jahre vom Preussischen Fiskus überwiesen war, wohnlich wieder herzustellen. Nach Entwürfen des Baumeisters von Ritgen, des Wiederherstellers der Warthurg, wurden zunächst die Räume des Nassauer Baues ausgebaut und stilgemäss eingerichtet, und zugleich eine gute, unter Kontrolle des Vereins stehende Wirtschaft eingerichtet, die auch grösseren Ansprüchen gerecht zu werden


