Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Gang durch die Stadt. 55

Nach Rückkehr durch die erwähnten Bahndammbogen halten wir uns links an dem grossen freien Platz vorbei, Oswalds Garten genannt, auf welchem die öffentlichen Volks- feste, Krämermärkte, Vieh- und landwirtschaftliche Ausstellungen u. s. w. abgehalten werden, und gelangen, die Turnhalle zur linken, die Alicenschule und die Knabenvolksschule, ein statt- liches, musterhaft eingerichtetes Gebäude, zur rechten Hand lassend, zu der Nordanlage, an welcher die höhere Mädchen- schule ihren Platz gefunden hat. Auch befindet sich hier das 1892 errichtete Denkmal des Professors der Forstwissenschaft, Heyer. Gerade in dieser Gegend entfaltet sich in neuerer Zeit eine rege Bauthätigkeit, die einige geschmackvolle und ansehnliche Gebäude, unter andern die neue Synagoge, geschaffen hat, und wir er- halten zugleich einen Ein- blick in die energische und planvolle Weise, mit der die Stadtvertretung mit den engen und ungesunden Teilen der Altstadt aufräumt und neue breitere Strassenzüge schafft. Das nächste Thor, welches wir treffen, ist das Wallthor, von welchem die Marburger Strasse nach Nor- den läuft, um später in die Marburger Chaussee überzu- gehen. Wir setzen unsern Rundgang fort und gelangen, das Garnisonlazarett zur rechten, den Justizpalastzur linken Seite lassend, in die hübsche Ostanlage, in deren südlichem Teile, vom bota- nischen Garten durch den Ringgraben getrennt, das Liebigdenkmal(von Schaper) seinen Platz gefunden hat. Der berühmte Chemiker wirkte in Giessen als Universitätsprofessor in den Jahren von 1824 bis 1852; hier machte er den grössten Teil seiner epochemachenden Ent- deckungen, durch welche er die gesamte Chemie in neue Bahnen lenkte und Schüler aus allen Kulturländern der Welt hierherzog. Die Hochschule gelangte durch ihn zu ungeahnter Blüte und Berühmheit. Beim Neuenweger Thor beginnt die Südanlage, welcher gegenüber auf der Ecke die Bürger- meisterei, daneben die ältere Synagoge und etwas weiter

Liebigdenkmal.