Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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das Grossherzogl. Gymnasium liegt, dessen Leiter(bis zum Sommer 1899) lange Jahre hindurch der weit über die Grenzen Deutschlands bekannte Pädagoge Schiller war. Ihm gegenüber auf der Ecke der Bismarckstrasse erhebt sich ein schöner Re- naissancebau, die Rickersche Univ.-Buchhandlung. Am westlichen Ende dieser Anlage hat die Stadt durch den Berliner Bau- meister Griesebach ein neues Gotteshaus, die Johanniskirche, aufführen lassen, da die alte Stadtkirche den Bedürfnissen der stets wachsenden Gemeinde schon seit lange nicht mehr ge- nügte. Baulich ist die hübsche, im Renaissancestil erbaute Kirche, welche keineswegs durch die Grösse ihrer Masse imponiert, entschieden das ansprechendste Gebäude der Stadt, das sich gegen die im allgemeinen nüchterne Bauweise wohlthätig abhebt.

Bei dem jetzt folgenden vierten Thor, dem Seltersthor, haben wir den Rundgang beinahe vollendet, denn nur wenige Schritte durch die Westanlage trennen uns noch von dem Ausgangspunkte beim Grossherzog von Hessen. Die Thorhäuser haben in Giessen noch insofern Bedeutung, als bei ihnen

auf Schlachtvieh, HWildpret, Fleisch- waren, alkoholische Getränke und Brennmaterialien Oktroi erhoben wird, aus dessen Erträgnis die Stadt einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Verwaltungskosten deckt.

Am Seltersthor, dessen rechtes Thorgebäude zu einer an Wochentagen abends 6 10, an Sonntagen 11 1 Uhr mittags geöffneten Volkslesehalle eingerichtet ist, biegen wir rechts in den Seltersweg, die Hauptverkehrsader Giessens, an dessen linker Seite abseits der Strasse das Giessener Volksbad liegt, eine Musteranstalt in Anlage und Ausstattung, welche zum grossen Teil aus freiwilligen Zeichnungen für ca. 190 000 Mk. aufgeführt und 1898 eröffnet wurde, ein ehrendes Denkmal des Gemeinsinns der Einwohnerschaft. Der Seltersweg führt uns nach dem Kreua, einem Schnittpunkt verschiedener Strassen, und durch die sog. Mäusburg gelangen wir auf den Marktplatz, welcher durch einige altertümliche Gebäude anziehend ist,. Gleich an der Ecke liegt die hübsche, erkergezierte Hirsch- apotheke mit einer Gedenktafel, welche anzeigt, dass hier am