46 Von Marburg nach Giessen.
eine Raubritterburg. Ihr Zweck war, in Kriegszeiten vor dem Feinde eine Zuflucht zu gewähren und die Umgegend und die Land- strasse zu beschützen. Während des hessischen Bruderkrieges wurde 1647 die obere Burg durch den schwedischen General Königs- mark zerstört und die Umgegend geplündert. Die viel ausge- dehntere und sehr starke untere Burg wurde im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts zur Ruine durch vandalische Gläubiger, welche Fenster, Treppen, brauchbare Steine u. s. w. ausbrechen und weg- schleppen liessen. Jetzt ist dieselbe Eigentum S. K. H. des Gross- herzogs von Hessen, unter dessen Vater dieselbe wieder unter Dach gebracht wurde. Einige Gelasse wurden zu Wohnzimmern berge- stellt, besonders aber gute Wirtschaftsräume hergerichtet, die in der guten Jahreszeit aus der Uingegend, besonders von Giessen und Marburg her gern besucht werden, da man aus dem Garten eine entzückende Aussicht ins Lahnthal geniesst.
Den Abstieg kann man, besonders wenn man nach Giessen weiter will, nach Lollar nehmen, wohin eine gute Strasse in ½ Stunde führt. Macht man die Tour umgekehrt, so biege man, vom Bahnhof Lollar kommend, links in den Ort ein, verfolge die Strasse nach Marburg etwa 10 Min. und biege dann rechts in die auf den weithin sichtbaren Staufenberg zu- führende Strasse ein. Beim Abstieg nach Haltestelle Friedel- hausen biege man beim Austritt aus dem alten Thorturm rechts und gehe den zweiten Pfad links hinab; derselbe mündet in eine breitere Strasse, der man rechts bis zur Marburger Chaussee folgt. Dem dort stehenden Wegweiser nach gelangt man in knappen 10 Min. unter dem Eisenbahnviadukt durch zu dem Stationsgebäude. Auch von Lollar kann man nach dem Staufenberg bequem den Weg über Kirchberg nehmen.
21,6 km Station Lollar. Von hier zweigt eine am Nord- rande des Giessener Beckens über die Haltestellen Wissmar, Launsbach, Krofdorf, Kinzenbach, Dorlar nach Wetzlar führende Teilstrecke der Berlin-Metzer Bahn ab. Dieselbe wird nur als Sekundärbahn betrieben und hat vorwiegend militärische Zwecke, um im Falle einer Mobilmachung den Bahnhof Giessen zu entlasten. Eine andere Bahn, das Thal der bei Lollar von links in die Lahn mündenden Lumda auf- wärts, ist projektiert. Postverbindung auf dieser Strecke über Treis nach Allendorf u. s. w.
Lollar(Bahnhafrestauration, Germaniaq am oberen Ende der Hauptstrasse, Schönhof nahe beim Bahnhof) ist ein hübsches, wohlhabendes Pfarrdorf mit 1523 Einw., welches besonders durch die Main-Weser-Hütte Bedeutung gewonnen hat. Diese 5 Min. oberhalb des Bahnhofs gelegene, hochbe- deutende Hütte nebst einem Schlösschen bildete ehemals eine Abteilung der Buderusschen Eisenwerke, der grossartigsten des


