Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Von Marburg nach Giessen. 45

wenigen Minuten zu dem kleinen, rechts von der Chausse ge- legenen Orte führt. An der Landstrasse ein gutes ländliches Wirtshaus mit schattigen Gartensitzen. Die kleine gotische Hallenkirche, für Kenner nicht uninteressant, mit zahlreichen gut erhaltenen Grabsteinen aus älterer und neuerer Zeit, ist für eine Anzahl umliegender Ortschaften das gemeinsame Gottes- haus. Der Ursprung der kirchlichen Anlage ist uralt und wird auf die Zeit vor Bonifacius zurückgeführt. Gegenüber liegt auf der rechten Lahnseite, durch eine Holzbrücke mit Kirch- berg verbunden, das grössere Dorf Ruttershausen, von dem sich ebenfalls der oben beschriebene Altenberg leicht er- reichen lässt. In Kirchberg zweigt sich etwas oberhalb der Kir- che von der Land- strasse der Weg nach Staufen- berg links ab und führt in ¼ Std. zu dem nach einer Inschrift 1401 von Fried- rich von Rols- hausen erbauten Thorturm, durch den man zu- Staufenberg bei Giessen. nächst in das noch Stadtrechte geniessende Dorf eintritt. Der Basaltkegel trägt zwei Burganlagen; die untere, jüngere und grössere, in welche man zunächst gelangt und in der sich auch die Wirtschaft befindet, führt den Namen Schubenburg; die obere auf dem Gipfel des Berges 266 m hoch gelegene ist die eigent- liche Staufenburg, jetzt Eigentum des hessischen Fiskus. Schöne Garten- und Waldanlagen umgeben die spärlichen Trümmer, die auf einer Treppe erstiegen werden können und einen prachtvollen Rundblick bieten.

Schon zu Ende des 13. Jahrhunderts stand die obere Burg und gehörte damals den Grafen von Ziegenhain. Der Kaiser Adolf belagerte sie 1296. 1324 wurde Graf Johann zu Solms Burg- mann des Grafen Johann von Ziegenhain auf Staufenberg. Eine neue Fehde brach 1370 zwischen dem Grafen Hermann dem Ge- lehrten von Hessen und den Burgmannen und Bürgern von Giessen gegen den Grafen Gottfried von Ziegenhain aus. Aber 1450 fiel die Grafschaft Ziegenhain und Nidda und damit auch Staufenberg an Hessen. Staufenberg war nie eigentliche Hofburg, ebensowenig