Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Schloss, Universität. 37 50 Pfg., 25 Personen je 30 Pfg., bis 20 Personen 1 Mk. 50 Pfg., Mittwochs von 2 bis 4 Uhr Eintritt frei.

Der Hauptbau des Schlosses ist ein aus 3 Flügeln be- stehender mächtiger Steinkasten, der mehr durch die Wucht seiner Massen, als durch seine architektonische Gliederung wirkt. Die Hauptsehenswürdigkeit ist der im Nordfligel be- findliche Rittersaal mit seinen hohen Kreuzgewölben und dem prächtigen Renaissanceportal, dessen Ursprung eine Inschrift in das Jahr 1573 verweist. Als das Schloss anfangs des 17. Jahr- hunderts aufgehört hatte, Residenz der hessischen Fürsten zu sein, wurden der Rittersaal und andere grosse Räume lange Zeit als herrschaftlicher Kornspeicher benutzt. In der französischen Zeit diente es als Militärlazarett, und nach der Wiederherstel- lung des alten Regimes musste es seine ehrwürdigen Räume sogar zum Zuchthaus für schwere Gefangene entwürdigen lassen. Erst als es mit dem Jahre 1866 in preussischen Be- sitz überging, trat ein Wandel ein. Die Haupträume wurden in würdiger Weise wieder hergestellt und ausgestattet und in denselben das hessische Gesamtarchiv mit wichtigen und interes- santen Urkunden von der Zeit der Karolinger bis in die Jetat- zeit, sowie die Sammlungen des hessischen Geschichtsvereins verlegt.

Dasjenige Gebäude, welches in Marburg neben der Elisa- bethkirche das grösste bauliche Interesse in Anspruch nimmt, ist ohne Zweifel die Universität. Man erreicht dieselbe, wenn man die Richtung der Wettergasse, welche wir verliessen, um nach dem Marktplatz abzubiegen, durch die Reitgasse verfolgt, bis man an der reformierten Kirche vorbei auf den von 2 Flügeln des Universitätsgebäudes umschlossenen, von einer breitästigen Linde überschatteten Platz stösst. Von ihm aus gelangt man in den prächtigen Kreuzgang mit seinen schönen Kreuagewölben, um welchen sich die mit Bildnissen khessischer Fürsten und ehe- maliger Professoren ausgestatteten Hörsäle herumlegen. Der Haupteingang aber befindet sich auf der entgegengesetzten Seite, wo ein breiter Zugang mit mächtiger Freitreppe zu der reich verzierten Portalhalle führt. Die Hauptfront wendet sich mit ihren drei hochragenden Giebelm gegen den Strom und gewährt von der alten Brücke aus, die zu den Füssen des Gebäudes die Lahn überwölbt, einen überaus präch- tigen Anblick. Sehr sehenswert ist die geräumige, reich ausgestattete Aula, welche auf Verlangen von dem Univer- sitätscustos aufgeschlossen wird. Der Bau wurde an Stelle des alten Dominikanerklosters 1874 78 in edelstem frühgoti- schen Stil in weissem Sandstein von Professor Karl Sehäfer ausgeführt, welcher die ehemalige aus dem Ende des 13. Jahr- hunderts stammende Klosterkirche als Universtätskirche in den