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Bereich des Gebäudekomplexes einzog. Das Ganze macht auf den Beschauer einen überaus würdigen und stimmungsvollen Eindruck und dürfte unter den Universitätsgebäuden Deutsch- lands nicht seinesgleichen finden. In der That aber entspricht es durchaus dein Aufschwung, den die Universität seit 1866 ge- nommen hat. Damals kaum 300 Hörer zählend, wird sie jetzt im Winter von etwa 1100, im Sommer von 1200 Studenten besucht, unter denen sich besonders im Verbindungsleben noch ein gutes Stück alter, stets jugendfrischer Studentenromantik erhalten hat. Die meisten der angeseheneren farbentragenden Verbin- dungen haben ihr eigenes Haus.
Wendet man sich vor dem Universitätsgebäude stehend zur Linken, so gelangt man über die vorerwühnte Brücke nach der Vorstadt Weidenhausen, zur Rechten aber führt die Untergasse an dem Kgl. Gymnasium vorbei auf einen Platz„Am Plan genannt, wo wir links die ehemalige Bibliothek, deren Räum- lichkeiten jetzt zu Unversitätsseminaren eingerichtet sind, und daneben den Saalbau vor uns liegen sehen, in welchem sich das arehäologische Museum befindet.(Zugang Sonntags von 11 bis 1 Uhr frei). Beide Gebäude liegen auf dem Gebiet des ehe- maligen Franaiskanerklosters, welches von dem Gründer der Elisa- bethkirche hierher verlegt worden war. Es erinnert an das- selbe der Name der an der nordöstlichen Ecke des Platzes beim Landratsamt(im„Fürstenhaus“, einem früher kurfürst- lichen Palais) einmündenden Bavfüsserstrasse, welche auf den Markt zurückführt. Parallel mit der Untergasse verläuft süd- lich von derselben die breite Universitätsstrasse, an der sich das neue Bibliotheksgebäiude erhebt, ein mit allen Sicher- heits- und Bequemlichkeitsvorrichtungen ausgestatteter, archi- tektonisch freilich nicht besonders wirksamer Bau. In ihrer Verlängerung leitet die Strasse an dem links liegenden Kqgl. Amtsgericht vorbei in die Ockershäuser Allee und zu dem gleich- namigen Dorfe; biegt man aber an der Ecke des Museums, des Vereinshauses der Marburger Gesellschaft mit reich aus- gestattetem Lesezimmer, zur Linken, so gelangt man durch die Kasernenstrasse zu der Kaserne des Jägerbataillons und weiter die rechts verlaufende F'rankfurter Allee entlang, in welche die Haspelstrasse und die zum Friedrichspalz führende Friedrich- strasse einmünden, zur Gisselbergerstrasse, an der die Garten- wirtschaft„zum Schützenpfuhl' liegt, nach landläufiger An- nahme das durch das allbekannte Studentenlied berühmt ge- wordenen„Wirtshaus an der Lahn“, welches in früherer Zeit in unmittelbarer Nähe des Flusses lag. Von ihm kann man in 2 Min. über die Schützenpfuhlbrücke den neu errichteten Bahnhof Marburg-Süd erreichen.


