Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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mässigen Achtecks geschlossen. In dem nördlichen Kreuzarm dem Elisabethenchor, welcher den ältesten Teil der Kirche darstellt, befindet sich zwischen dem Marienaltar zur linken und dem Katharinenaltar zur rechten Seite unter dem baldachinartigen Mausoleum die Grabstätte der Heiligen, jedoch ohne deren Sarg. An einem dritten, dem Elisabethenaltar vorbei, gelangt man durch eine Thür in den Raum zwischen den mächtigen Vierungspfeilern, welcher, vom Hauptschiff durch den Lettner, von den beiden Kreuz- armen durch eine Mauer abgeschlossen, nur gegen den Chor sich öffnet. Zwei Reihen amphitheatralisch aufsteigender, aus Eichen- holz in streng gotischem Stil gearbeiteter Sitze umgeben von drei Seiten diesen Raum. Es sind dies die dem Ende des 13. Jahr- hunderts entstammenden Chorherrenstühle der deutschen Ordens- ritter, welche sich hier, abgeschlossen von der Gemeinde, zum Gottesdienst versammelten. Die Mitte des Hauptchors nimmt der aus Sandstein in edlem gotischen Stile mit reichem Gold- und Farbenschmuck ausgeführte Hochaltar ein, geweiht am 1. Mai 1290, dessen Wirkung durch die schönen dem 13. und 14 Jahrhundert entstammenden Glasmalereien der Chorfenster gehoben wird. In der Nordwand des Chors führt eine Thür zu der Sabristei, welche den höchsten Schatz der Kirche, den Sarkophag der heiligen Elisabeth birgt. Auf einer hölzernen Truhe unter einem Gehäuse von starkem Spiegelglas ruhend, ist derselbe von Eichenholz her- gestellt, welches mit stark vergoldetem Kupfer- und Silberblech überzogen ist. Zahlreiche, zum Teil kostbare Edelsteine und Perlen schmücken den Sarg, aus dem jedoch Philipp der Grossmütige 1539, als er die Reformafion in der Kirche einführte, die Gebeine der Heiligen hatte herausnehmen lassen. In der Franzosenzeit wurde derselbe nach Cassel übergeführt, und als er 1814 zurück- geliefert wurde, fehlten 117 der grössten und wertvollsten Steine. Ueber der Sakristei zeigt der führende Küster, allerdings nur auf ausdrückliches Verlangen, in dem ehemaligen Ordensarchiv mehrere interessante Kampfschilde alter Deutschherren sowie zwei Original- schilde hessischer Landgrafen.

Der südliche Kreuzarm, der Fürsten- oder Landgrafenchor, birgt die Grabstätten zahlreicher Fürsten und Fürstinnen Hessens unter Grabdenkmälern, die zum Teil künstlerisch bedeutend sind, während das des Landgrafen Wilhelm II. in seiner nackten Natür- lichkeit wahrhaft abschreckend wirkt. Beim Ausgang aus der Kirche versäume man nicht, den an der Westseite des südlichen Längsschiffes aufgehängten wertvollen Teppich in Augenschein zu nehmen, an dem die heilige Elisabeth selbst gearbeitet hat. Er ent- hält eine Darstellung der Geschichte vom verlorenen Sohn. Ueber- haupt bietet neben dem Geschilderten die Kirche an Altarbildern, Schnitzereien, Bildhauereien u. s. w. noch manches Erwähnenswerte.

Wenn man die Kirche verschlossen findet, schelle man