Elisabethkirche. 33
einflusst durch Wandelung des Stils zur Vollendung zu bringen. 48 Jahre waren erforderlich gewesen, bis am 1. Mai 1283 das Schiff der Kirche geweiht werden konnte, während die beiden Türme erst 77 Jahre später vollständig fertig gestellt wurden. Das Ganze steht vor unsern Augen als ein Muster edelsten gotischen Stils, welches noch seine ursprüngliche Reinheit und Strenge be- wahrt hat, ein Baudenkmal, das in seiner Art in Deutschland kaum seines gleichen hat.
Durch das zwischen den beiden Türmen sich öffnende präch- tige Hauptportal, in dessen Giebelfelde zwischen einem blühenden Rosenbusch und einem mit Trauben behangenen Weinstoch die heilige Jungfrau mit dem Christuskinde, die Schützerin des Deutschherrnordens, dem das Got- teshaus zu eigen war, thront, tritt man in das sechsjochige Langhaus. Fünf schlanke Säulenpaare trennen r 1 das Hauptschiff von den beiden Seitenschiffen von gleicher Höhe und halber Breite und tragen auf ihren mit Blätter- und Knospen- ornamenten in mannigfacher Ab- wechslung geschmückten Kapitälen die reichgegliederten Rippen des Kreuzgewölbes. Die Kirche ist also eine Hallenkirche, wie solche sich in Hessen und Westfalen schon in vorgotischer Zeit häufiger finden. Noch hat man nicht ge- wagt, wie bei den gotischen Domen der Blütezeit, die zwischen den Strebepfeilern befindliche Wandfläche durch ein hohes Fen- ster zu durchbrechen, sondern deren zwei kleinere über einander angebracht, welche ebenfalls in ihrem Masswerk die schlichte Einfachheit der alten Gotik aufweisen. Das Hauptschiff wird im Osten abgeschlossen durch den dem Anfange des 14. Jahrhundert entstammenden Lettner, welcher sich zwischen die beiden west- lichen Vierungspfeiler einfügt und, so stilgemäss er auch ge- halten ist und so sehr er auch durch reichen Farben- und Figuren- schmuck das Auge des Beschauers fesselt, doch die Gesamtwirkung der Kirche beeinträchtigt. Der Lettner findet seine Foptsetzung in den Seitenschiffen durch ein hohes Eisengitter, welches die Ab- schliessung des Kreuzschiffes durchführt, so dass fast die Hälfte der Kirche für den Klerus reserviert blieb. Die Flügel des Quer- schihs sowie der Chor sind durch die fünf Seiten eines regel-
Illustr. Lahnführer. 3
n. A. v. W. Riase Marburg. Elisabethkirche Marburg.


