Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Hilchenbach. 3

Hilchenbach, 1687 durch den Fürsten Wilhelm Moritz von Nassau-Siegen von einem Dorfe zum Flecken erhoben, erhielt Stadtrecht mit der Errichtung der westfälischen Pro- vinzialstände. Seine weitere Entwickelung verdankt es seiner sehr bedeutenden Sohlleder- und Leimfabrikation. An der Ferndorfer Sieg, am Fusse des Gebirges gelegen, wo zahlreiche Quellbäche zusammenrinnen, macht das Städtchen mit seinen sauberen, schieferbekleideten Häusern, zwischen welche sich einzelne reichere Bauten mischen, seiner verhältnismässig guten Pflasterung einen anmutenden und wohlhabenden Eindruck. In der That ist durch die Leder- industrie und ver- schiedene andere Fabrikationen hier ein nicht unbedeutender Reichtum aufge- stapelt. Die Sie- gerländer sind ein ausserordentlich intelligentes, be- triebsames und sparsames Volk, n. A. v. Stephani Bledenkopf. dessen vorwie- Hilchenbach. 26 gend mathemati- sche und technische Beanlagung sich seit alters her im Berg- bau, im musterhaften Wiesenbau, sowie in der stets ohne fach- männische Hilfe ausgeführten Berechnung und Einteilung des komplizierten Haubergsbesitzes bethätigt. Auf der Südostseite der Stadt finden sich auf dem Herrenberge hübsche Anlagen, welche schöne Ausblicke auf die umgebenden Berge, den Ort und das Thal gewähren. Die Kirche liegt auf einer Anhöhe über dem Marktplatz; sie ist modernen Ursprungs und wurde mit Beihilfe Friedrich Wilhelms IV. aufgeführt, der den Plan selbst prüfte und eigenhändig korrigierte. Vor der Kirche befindet sich das Denkmal Jung-Stillings, durch dessen Lebens- geschichte der Ort auch unter dem Namen Florenburg bekannt wurde. Das Denkmal ist ein einfacher Obelisk mit Unterbau von Sandstein. An der dem Marktplatz zugekehrten Seite ist in den Stein ein Marmormedaillon eingelassen mit der Unter- schrift:Joh. Heinr. Jung, gen. Stilling.

Jung-Stilling war geboren am 12. September 1740 in dem Dörfchen Grund(in der Lebensbeschreibung Tiefenbach genannt), zu welchem der Weg von dem Ausgange der Stadt nach Vorm- wald zu über den Weiler Sterzenbach und den Berg in weniger

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