Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
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VIII Vorwort.

sionsthäler sind, tritt eine Gliederung der Masse ein und wird der Eindruck eines wirklichen Gebirges hervorgerufen.

Die Lahn, deren Thalbildung durchaus abhängig war von der Vertiefung der Rheinrinne, war bis dahin keines- wegs ein einheitlicher Fluss, sondern bestand aus mehre- ren gar nicht mit einander verbundenen Absehnitten, deren Mittelpunkte die- weite von Marburg bis Löhnberg reichende Niederung von Giessen und der Kessel von Limburg waren. In diese flossen die Gewässer vom Taunus und Wester- wald konzentrisch zusammen und bildeten zwei Süsswasser- becken, von denen der Limburger seinen Abfluss durch die Idsteiner Senke östlich von Wiesbaden in den grossen See hatte, welcher die jetzige oberrheinische Tiefebene be- deckte und von Süden gegen den heutigen Taunus bran- dete. Erst als das Rheinbett tiefer und tiefer sank, grub sich das Flüsschen, welches an Stelle der Lahn in den Rhein fiel, in demselben Verhältnis rückwärts schneidend durch Erosion ein Bett in das östlich gelegene Plateau, bis es das Limburger Becken anschnitt und nach Westen ent- wässerte. Ahnlich war der Vorgang beim zweiten Absehnitt, indem der östliche Einfluss des Limburger Beckens bei Löhnberg den See der Giessener Niederung anzapfte und dadurch die Einheitlichkeit des Lahnlaufs herstellte. In der Eiszeit, wo eine Steigerung der Niederschlagmengen stattgefunden, wurde die Wasserkraft verstärkt und die Ver- bindung der einzelnen Becken gefördert. Die Abschnitte des Stromlaufs von Löhnberg bis Eschhofen und von Diez bis gegen Ems bezeichnen die eigentlichen Durchbruchs- strecken des Flusses, wo der Lauf besonders gewunden ist, die Thalränder steil und ohne Vorland zum Wasser abfallen, wo daher für Fahrwege am Flusse entlang kein Raum ge- blieben ist. Die Eisenbahn muss diese Schwierigkeiten durch zahlreiche Tunnel überwinden. Die Wasserläufe aber, welche auch auf diesen Durchbruchstrecken der Lahn zuströmen, wie der bei Kloster Arnstein mündende Dörs- bach und Gelbach, der Mühlbach bei Nassau, haben in viel