Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Vorwort. VII

für die Seitenwege zur Verfügung stellen. So haben denn auch die Bemühungen der zahlreichen Orts-Verschönerungs- vereine, besonders aber des Lahnverbandes der Zweigver- eine des Taunusklubs, welche rastlos thätig sind, durch Anlage und Verbesserung von Wegen und durch Wege- zeichen die schönsten Punkte zu erschliessen und ihren Besuch zu erleichtern, von Jahr zu Jahr mehr Erfolg, und auch des Verfassers schönster Lohn würde sein, wenn es ihm durch dieses bescheidene Büchlein gelingen sollte, der lieblichsten Rheinestochter, deren Reize noch lange nicht genügend gewürdigt wurden, zahlreiche Liebhaber zuzu- führen.

Das Lahnthal gehört seiner ganzen Ausdehnung nach dem rheinischen Schiefergebirge an, welches es auf der Strecke von Kölbe bis Giessen im Osten umsäumt und von den Ausläufern des Vogelsberges trennt, während es von Giessen bis zur Mündung sich meist als tiefe, vielfach ge- wundene Schlucht in ostwestlicher Richtung durch dasselbe hindurchzieht und die Scheidung zwischen Taunus und Westerwald vollzieht. Das rheinische Schiefergebirge tritt unter den Mittelgebirgen Deutschlands weder durch den Reichtum seiner Gliederung noch durch den Grad seiner Erhebung besonders hervor, führt daher im Grunde seinen Namen mit Unrecht, da es mehr den Charakter eines wei- ten, thaldurchfurchten Plateaus, als den eines stark geglie- derten Gebirges trägt; nur sanft auf- und abwellend hält es zwischen 400 und 800 m Höhe und besitzt eine durch- schnittliche Erhebung von ca. 500 m.

Im Westen an die Ardennen, im Osten an das hessische Hügelland sich anlehnend, legt es sich quer vor das süd- deutsche Becken, dessen Abwässerung zur Nordsee es ver- hinderte, bis der Rhein sich durch dieses Plateau von Bingen bis Bonn eine tiefe Rinne grub und es dadurch ziemlich symmetrisch in einen östlichen und westlichen Flügel schied. Erst mit der Entstehung des Rheinthals und der grossen Seitenthäler dieses Gebiets, welche sämtlich wie jenes Ero-