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Das Stadtbild von Goslar im Mittelalter / Karl Frölich
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straße unfern der Kehlmühle erbaut und 1551, nachdem inzwi- schen eine neue Walkmühle unter dem Petersberge im heutigen Schleeke errichtet war, anı die Tuchmacher verkauft. Diese Ansicht kann jedoch nicht zutreffen, da die Walkmühle in den Gröpern schon 1456 bezeugt ist. Weiter aber ist befremdend, daß die Walk- mühle im 15. Jahrhundert in die Badelebische Straße verwiesen wird, und daß in ihrer Nachbarschaft eine Stobenstraße und eine Mühlenstraße an der Gose genannt werden, die aber nicht mit der heutigen Unteren Mühlenstraße zusammenfällt.

Bei dieser Sachlage sind nur zwei Möglichkeiten denkbar. Ent- weder lag die Mühle an der Badelebischen Straße in ihrer jetzigen Begrenzung, dann kann es sich nicht um die Walkmühle an der Gosestraße handeln. Oder es ist damit zu rechnen, daß die Bade- lebische Straße damals bis zur Ecke der Gosestraße an der Abzucht reichte, sodaß sie früher in ihrem unteren Teile etwa der Linie der Lämmerstraße nach Osten gefolgt sein müßte.

Wenn sich bei der Dürftigkeit der Quellen auch eine jeder An- zweiflung entzogene Lösung kaum finden läßt, so scheint es mir doch zulässig zu sein, eine Vermutung zu äußern, die vielleicht ge- eignet ist, die bestehenden Zweifel weitgehend zu beheben.

Wie ich glauben möchte, ist die Gose, die heute unterhalb der Wortmühle an der Brücke zwischen Domstraße und Wasserstraße in die Abzucht fällt, ehemals auf dem linken Ufer der Abzucht im Zuge der Knochenhauerstraße, in der für den Gewerbebetrieb der Fleischer fließendes Wasser gebraucht wurde, und sodann, etwa der späteren Lämmerstraße folgend, im Verlauf der sich ursprüng- lich bis in diese Gegend erstreckenden Badelebischen Straße wei- tergeleitet, um die Walkmühle an der Gosestraße oder eine Vor- läuferin von ihr zu treiben. So würde sich das Vorhandensein der Mühle und das Vorkommen einer Gosestraße an dieser Stelle er- klären.

Wir können aber noch sonstige Anhaltspunkte dafür beibrin- gen, die diese Darlegungen zu stützen vermögen. In Niederschriften des Jahres 1293 ist anläßlich der Erwähnung des großen Hallen- und Mühlenstreites auch von zwei Mühlen des Deutschen Ordens die Rede, der Pfeffermühle und der Steinmühle, die von der Stadt erworben werden. Von ihnen stellt sich die Pfeffermühle, wie schon oben angedeutet, als die jetzige Berlin-Kretzschmarsche Mühle an der Abzucht dar, während die Steinmühle, von der dann jede Spur

3 Frölich, Stadtbild von Goslar