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Verfassung der Landes-Universität Gießen / genehmigt durch Großherzogliche Verordnung vom 19. Juli 1911, in Kraft getreten am 1. Oktober 1911
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1. Verfaſſung der Landes⸗Univerſität.

§ 36.

In der theologiſchen, der juriſtiſchen und der philoſophiſchen Fakultät bilden die ordentlichen Profeſſoren ein Kollegium(Fakultät im engeren Sinn), das über alle Angelegenheiten der Fakultät zu beraten und zu beſchließen hat.

In der mediziniſchen Fakultät bilden die ordentlichen Profeſſoren der Menſchenheilkunde ein Kollegium(Fakultät im engeren Sinn), die ordentlichen Profeſſoren der Tierheilkunde ein zweites Kollegium (veterinärmediziniſches Kollegium). Beide Kollegien beraten und be⸗ ſchließen geſondert über ihre Angelegenheiten.

Bei Promotionen zum Doktor der Veterinärmedizin und bei Habilitationen für Fächer der Veterinärmedizin vereinigen ſie ſich zu einem Kollegium(vereinigte mediziniſche Fakultät).

Die etatsmäßigen außerordentlichen Profeſſoren, die ein in ihrer Fakultät ſonſt nicht vertretenes Spezialfach vertreten, haben in dieſer Fakultät Sitz und beſchließende Stimme, wenn es ſich um Ange legenheiten ihres Spezialfaches handelt. Die Frage, ob ein etats⸗ mäßiger außerordentlicher Profeſſor Vertreter eines in der Fakultät ſonſt nicht vertretenen Spezialfaches iſt, wird, ſoweit die Fakultäten keine allgemeinen Grundſätze aufgeſtellt haben, nach Anhörung der betreffenden Fakultät vom Geſamtſenat entſchieden.

§ 37.

Jede Fakultät verleiht ihren Doktorgrad, die theologiſche außer⸗ dem den Lizentiatengrad, die vereinigte mediziniſche den veterinär⸗ mediziniſchen Doktorgrad.

Jeder ordentliche oder außerordentliche Profeſſor muß den Doktor⸗ grad ſeiner Fakultät, der der Theologie mindeſtens den Lizentiaten⸗ grad, der der Tierheilkunde den veterinärmediziniſchen Doktorgrad beſitzen.

Bei der theologiſchen Fakultät ſind in Promotionsangelegen⸗ heiten nur die Mitglieder zuſtändig, die den theologiſchen Doktorgrad beſitzen.

§ 38.

Die Vorlagen über Berufung oder Beförderung akademiſcher Lehrer, ſowie über Erteilung eines Lehrauftrags ſind von der zu⸗ ſtändigen Fakultät oder dem veterinärmediziniſchen Kollegium durch einen Bericht an den Geſamtſenat vorzubereiten.

§ 39.

Den Vorſitz in der Fakultät führt der Dekan. Der Dekan der mediziniſchen Fakultät iſt zugleich der Dekan der vereinigten medi ziniſchen Fakultät.

Das Dekanatsjahr beginnt mit dem 1. Januar.

Der Regel nach wechſelt das Dekanat zwiſchen den ordentlichen Profeſſoren der Fakultät nach dem Dienſtalter. Sind jedoch beim