Für die Logenbeſucher des Parketts wäre es wünſchenswert, wenn der Überbau des I. Ranges nicht ſo weit, wie dargeſtellt, vorgezogen wäre. Desgleichen möchte auch eine Ein⸗ ſchränkung des Überbaues vom II. Rang im Intereſſe der Beſucher des J. Ranges geboten erſcheinen.
Im übrigen verſpricht der akuſtiſche Wirkung.
Die Bühne hat der Verfaſſer 11,40 m lang und 19,40 m breit geplant. Er ermöglicht bei dieſen Maßen ſowohl eine bequeme Unterbringung von 4 Gaſſen, wie auch genügend Platz ſeitlich der 13 m breiten Proſpekte.
Seine Hinterbühne hat eine Breite von 9 m und eine Tiefe von 5,60 m, wird alſo die unmittelbare Verwendung von 13 m langen Proſpekten nicht ermöglichen, hat aber dagegen den Vorzug, daß ſie durch den Transport von ausgeſteiften Kuliſſen und Proſpekten nicht in Anſpruch genommen wird, ſodaß ſie voll für die Vorbereitung von Bühnenaufbauten ausnutzbar erſcheint. Die Hinterbühne iſt außerdem durch unmittelbar ins Freie führende Fenſter gut beleuchtet.
Außer dieſer Hinterbühne plant der Verfaſſer an der linken Seite der Bühne eine 5 m breite und 7 m tiefe Nebenbühne, an welche ſich mittelſt eines 5 m langen Korridors das Kuliſſenmagazin mit dem Proſpektlager anſchließt. Dieſe Anordnung einer Nebenbühne und dieſe Lage des Kuliſſenraums iſt erfahrungsgemäß für den Theaterbetrieb ſehr wertvoll, da ſie ſowohl die Vorbereitung von Aufbauten an deſer Stelle, wie auch den ungehinderten jederzeitigen Transport von Möbeln, Kuliſſen und Proſpekten in bequemſter Richtung zur Bühne geſtattet.
Unter dem Kuliſſenmagazin iſt das Möbelmagazin angeordnet, das mit dem Geſchoß in Höhe der Bühne durch einen Möbelaufzug in Verbindung gebracht iſt.
Über dem Kuliſſenmagazin liegt in gut gewählten Dimenſionen der Malerſaal, auf einer beſonderen Treppe erreichbar.
Von den für die Bühne verlangten Nebenräumen liegen an vorſchriftsmäßigen Treppen und Umgängen auf der einen Seite Konverſationszimmer und Bureauräume mit Tageskaſſe (direkt von außen zugänglich), auf der anderen Seite 2 Soliſtenzimmer, im Geſchoß darüber ein Raum für Statiſten, 2 Chorgarderoben und 3 Soliſtenzimmer. Die übrigen Räume liegen in Höhe des Malerſaales.
Die Wohnung für den Theatermeiſter hat im Keller Platz gefunden.
Das Orcheſter iſt ausreichend bemeſſen und baut gut unter die Bühne herunter.
Auf der Bühne fehlen die vorgeſchriebenen Bühnenarbeitertreppen, dagegen iſt ein gleich⸗ zeitig als Oberlicht verwerteter Rauchabzug auf dem Bühnenhausdache in einwandfreier Anlage vorhanden.
Im äußeren Aufbau zeigt der Verfaſſer an allen Stellen die erforderlichen Dächer.
Über Zuſchauerraum und Umgang hinweg lagert er in einer Breite von 27 m ein mäch⸗ tiges Satteldach, aus dem in zylindriſcher Form mit einem ſtumpfen Kegeldach verſehen das Oberlicht für den Zuſchauerraum herausragt. Das Satteldach ſchließt der Verfaſſer nach der Vorderfront mit einem mächtigen Giebel, der eine muſchelförmige Niſche enthält. Dieſem Giebel vorgelagert iſt ein 11 m hoher Vorbau, der die Treppenhäuſer zum II. Rang und den vorderen Teil des Foyer umfaßt und in ſeinem unteren Teil die 5 Eingänge für das Theater enthält.
Das Bühnenhaus enthält an der Schmalſeite Giebelaufbauten, zwiſchen denen in der Längs— richtung ein ſchlichtes, von dem Rauchſchieber bekröntes Satteldach entwickelt iſt.
Für die Belebung der Seitenfront verwendet der Verfaſſer außer einigen Giebelmotiven auch das Motiv der offenen Loggia im II. Rang mit Glück, wenn auch über die ſchräge Lage des Fußbodens dieſer Loggia die Anſichten auseinander gehen werden.
Der Verfaſſer iſt beſtrebt, durch ſchlichte, der Formenwelt der Antike entlehnte Behandlung ſeiner Fronten eine monumentale Wirkung zu erreichen und ſteigert dieſen Eindruck an der Vorder⸗ front durch einen 3 m hohen Figurenfries, durch das Motiv eines großen Saalfenſters für das Foyer und durch figürlichen Schmuck der Riſalite an den Ecken und am Mittelbau. Die Form⸗ gebung geſtattet eine umfangreiche Verwendung von Verblendſteinen und zu Gunſten der Koſten eine Einſchränkung des Werkſteins. Über die Geſamterſcheinung des Theaters, die von dem Landläufigen weſentlich abweicht und Originalität anſtrebt, waren die Meinungen geteilt.
Im übrigen zeigt auch dieſer Entwurf, wie Entwurf I, eine geſchickte Hand bei der Dis⸗ poſition des Zuſchauerhauſes und der Bühnenräume, ſowie Erfahrung bei der Durchbildung der erforderlichen Betriebsanlagen; auch hier wird der Verfaſſer ohne Schwierigkeit die be⸗ mängelten Stellen ſeines Entwurfs einwandfrei geſtalten können.
Zuſchauerraum nach ſeiner Form und Ausbildung eine günſtige
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Hierauf entſchied zunächſt das Preisgericht einſtimmig, daß ſämtliche Entwürfe Mängel und Verſtöße gegen die Beſtimmungen des Programms aufweiſen und daher ein erſter Preis nicht zur Verteilung kommen ſolle. Es wurde ferner beſchloſſen, den erſten und zweiten Preis


