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Gießener Studentenbriefe aus dem Jahre 1834 / von Wilhelm Rehmann
Entstehung
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Briefe, welche seit Herbst mir von dir zugekommen, als auch von mir an Dich abgeschickt worden sind, näher bezeichnen. Von dir erhielt ich im Ganzen vier Briefe.

den ersten gabst du Becker ²³) mit, den zweiten schickte mir Ludwig ²⁰)(datiert vom vierten d. M.) den dritten(vom dreizehn- ten) und vierten(vom Gestrigen) prachte mir Schlink ³⁰).

Ausser diesem schrieb ich dir drei Briefe.

Die zwei ersteren(vom vierten und sechsten d. M.) adressirte ich an Siebold ³⁰), den letzten(wenn ich nicht irre, vom achten bis zehnten d. M.) an meinen ehemaligen Nachbar, den Jud Salomo Hirsch ³⁰).

Wie schon gesagt, ist mir dein gestriger Brief ganz unver- ständlich, von dem erwähnten Plan, Geldbeiträgen und derglei- chen ist mir auch nicht das Mindeste bekannt, noch weniger ist mir ein Doctor Häuser ³¹) bekannt.

Büchner ³²) kenne ich kaum vom Ansehen, nur weiß ich so- viel, dass ich mich mit diesem unvorsichtigen und höchst ver- dächtigen Menschen niemals in das Geringste einlassen werde. Es ist hier sogar dem Ministerium bekannt, dass Büchner, wie ein Hanswurst verkleidet in geheimen Aufträgen zu Offenbach war. Du schreibst mir auch, du würdest nächstens nachD kommen. Diess soll doch hoffentlichDarmstadt bedeuten? Wenn du kommst, so habe doch die Güte, mich, wenn es möglich ist, von dem Tage Deiner Ankunft zu benachrichtigen, auf jeden Fall aber kommst du gleich in unser Haus und logirst bei mir. Viel- fach hast du mich schon beleidigt, solltest du aber nicht sogleich zu mir kommen, oder wohl gar bei jemand Anderem logiren, diess könnte ich dir nie und nimmer verzeihen.

Auf der Reise hierher sei nur ja recht vorsichtig, gehe nicht durch Frankfurt(mich wollte man auf meiner letzten Herreise gar nicht durchlassen, zuletzt schickten sie mir einen Polizei- diener nach, der so lange vor dem Wirthshaus stehen blieb, bis jch wieder abreiste) und halte dich in Offenbach nicht auf. Am besten fährst Du mit dem Postkourrier und lässest dich erst einige Minuten vor deiner Abreise einschreiben.

Gestern Abend hörte mein Alter von einem Bekannten, dass der berüchtigte Polizei Secretair Frölich von hier in politischen

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