Hruck aus„Nachrichten der Gießener Hochschulgesellschaft 21.
40500 i Eee (233,) Y
Gießener Studentenbriefe aus dem Jahre 1834. Von Wilhelm Rehmann.
Der Druck des vormärzlichen Systems auf Presse- und Ver- sammlungsfreiheit, der in den Bundestagsbeschlüssen von 1832 seinen Niederschlag fand, hatte zu einer Explosion geführt. Am
3. April 1833 hatten Studenten und Handwerker die Frankfurter Wachen gestürmt in der irrigen Hoffnung, durch diese Tat eine allgemeine Erhebung gegen den Deutschen Bund entfachen zu können.
Die daraufhin einsetzenden Maßnahmen der Regierungen führ- ten zu zahlreichen Verhaftungen und Vernehmungen, die sich über mehrere Jahre hinzogen und auch Oberhessen berührten. 60 Personen, von denen 26 sich durch die Flucht in das Ausland reiten konnten, waren in diese politischen Umtriebe verwickelt. Das Urteil des Großherzoglich Hessischen Hofgerichts der Pro- vinz Oberhessen in Gießen vom 5. November/ 8. Dezember 1838 erkannte gegen den größten Teil der 30 Angeklagten auf Zucht- hausstrafen bis zu 10 Jahren, die allerdings bald von dem Groß- herzog auf dem Gnadenweg erlassen wurden.
Die Träger der oppositionellen Bewegung in Gießen waren neben Männern des öffentlichen Lebens, von denen der Privat- dozent Dr. Hundeshagen, der Buchhändler Ricker, die Hofge- richtsadvokaten Dr. Bansa, Rosenberg und Briel genannt seien, vor allem Studenten der Universität, die größtenteils der Burschen-
schaft angehörten.
Der Mißerfolg des Frankfurter Unternehmens hatte deren Unternehmungsgeist keineswegs gebrochen. Schon im darauf- folgenden Jahre hatte man von Gießen aus zu gleichgesinnten Kreisen der weiteren Umgebung Verbindung aufgenommen und auf Anregung des Butzbacher Pfarrers und Rektors Dr. Weidig begonnen, mittels illegaler Flugblätter die ländliche Bevölkerung
143


