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Die Vernichtung der katholisch-theologischen Fakultät in Gießen : ein dunkles Blatt in der neueren hessischen Geschichte : Vortrag im evangel. Männerverein / H. Steinwachs
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Bonner altkath. Gemeinde, zu deren Kirchenvorſtand er von An⸗ fang an gehörte. Der Dahingeſchiedene war geboren zu Königs⸗ winter am 22. Februar 1820. Er ſtudierte in Bonn und wurde am 7. Februar 1846 zum Doktor der Medizin pro⸗ moviert. Bald darauf beſtand er die mediziniſche Staats⸗ prüfung in Koblenz und ließ ſich als Arzt in Ehrenbreitſtein und ſpäter in Bonn nieder, wo er ein halbes Jahrhundert mit opferwilligem Eifer und beſtem Erfolg ſeinem Berufe ge⸗ lebt hat. Wiederholt war er auch Mitglied der Prüfungs kommiſſion für das ärztliche Staatsexamen. Sein ſegens⸗ reiches Wirken fand vielfache Anerkennung. Er wurde zum Sanitätsrat, ſpäter zum Geh. Sanitätsrat ernannt und mit Orden ausgezeichnet.... Raſtlos hat Geh. Sanitätsrat Dr. Schäfer zum Wohle ſeiner Mitbürger gewirkt bis an ſein ſeliges Ende. Bei uns Altkatholiken insbeſondere wird ſein Andenken nie erlöſchen. Wir wiederholen hier, was wir bei Gelegenheit der Feier ſeines fünfzigjährigen Doktorjubiläums in dieſer Hinſicht geſchrieben: Ueber dem Studium der Natur⸗ wiſſenſchaften und der Medizin hat er nicht wie ſo viele den Glauben an die Wahrheit des Chriſtentums verloren. Schäfer war ſtets ein treuer, gläubiger, frommer Katholik. Und da er aus gutem Grunde mit all' den Seinigen das bis an ſein Lebensende bleiben wollte, ſo ſtellte er ſich im Jahre 1870 mit ſeiner ganzen Familie entſchloſſen auf die Seite derjenigen, die gegenüber den vatikaniſchen Neuerungen von der Religion der Väter nicht abließen und dem alten kath. Glauben die Treue bewahrten. Bei der Wahl des Herrn Biſchof Reinkens war er als Delegierter der hieſigen Gemeinde beteiligt. In der Erfüllung ſeiner religiöſen Pflichten, in dem Beſuche des Gottesdienſtes, in der thätigen Teilnahme an dem Gemeinde⸗ leben ſteht er hinter keinem Bonner Altkatholiken zurück. Ein ganz beſonderes Verdienſt hat er ſich erworben als Mitbe⸗ gründer des Bonner Schweſternvereins, als ſorgſamer Lehrer und Erzieher der Krankenſchweſtern, deren Ausbildung ſeine Lebensfreude geworden war.... Die Beerdigung fand den 17. April auf dem Friedhofe in Poppelsdorf ſtatt. Ein ſehr anſehnliches Trauergefolge erwies dem Entſchlafenen die letzte Ehre. Am Grabe hielt Herr Pfarrer Demmel einen tief⸗ empfundenen Nachruf, der von der eigenen inneren Er⸗ griffenheit des Redners zeugte, dem der Verſtorbene über 20 Jahre ein väterlicher Freund geweſen.

Am 13. April hatte der Herr Biſchof Dr. Weber die Ehre, an einer Rheinfahrt ſich zu beteiligen, zu der er bei Anweſenheit Ihrer Majeſtät der Kaiſerin Friedrich in Bonn von Sr. Durchlaucht dem Prinzen von Schaumburg⸗Lippe und Ihrer Königl. Hoh. der Prinzeſſin von Schaumburg⸗ Lippe Einladung erhalten hatte. Der Biſchof wurde von Ihrer Majeſtät und dem prinzlichen Paare während der Fahrt mit einer längeren Unterredung beehrt. Am gleichen Tage hielt der altkath. Bürgerverein ſeine Generalver⸗ ſammlung ab. Der Vorſitzende, Herr Schubach, eröffnete dieſelbe und erſtattete den Jahresbericht. Unter anderm wurde beſchloſſen, die regelmäßigen Monatsverſammlungen des Vereins wiederherzuſtellen und am zweiten Montag jedes Monats abzuhalten; ſodann ſollen ſür den Sommer zwei Ausflüge, einer für den Juni, der andere für den Auguſt, in Ausſicht genommen werden. Bezüglich der Begräbniſſe ver⸗ ſtorbener Vereinsmitglieder wurde beſchloſſen, daß zu jedem Begräbnis eines Mitgliedes die Vereinsgenoſſen ſchriftlich durch beſondere Zettel einzuladen ſeien, und das dahingeſchiedene Mitglied durch eine einfache Kranzſpende geehrt werde.

St. Offenbach. Sonntag den 24. April feierte die Gemeinde Offenbach ihr 25jähriges Stiftungsfeſt. Der Herr Biſchof war tags vorher angekommen. Die kirchliche Feier fand Sonntags früh 8 Uhr in der evangeliſchen Stadtkirche ſtatt. Herr Pfarrverweſer Dr. Küppers⸗Heßloch aſſiſtierte dem Herrn Pfarrer Steinwachs beim deutſchen Hochamte, welches ein gut geſchulter Chor verherrlichte. Der Herr Biſchof hielt die Feſtpredigt über den Heiland als den guten Hirten

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der Menſchheit und über die Bedeutung desſelben für den Altkatholizismus überhaupt und für jeden einzelnen Altkatho liken. Mittags um 1 Uhr verſammelten ſich gegen 70 Ge⸗ meindemitglieder zu einem einfachen gemeinſamen Mahle im Kaiſer Friedrich⸗Hotel. Der Biſchof brachte den Toaſt auf Se. Maj. den Kaiſer und Se. Königl. Hoheit den Groß⸗ herzog aus. Darauf wurde an letzterem ein Huldigungs⸗ telegramm nach Darmſtadt geſandt. Noch manche andere Toaſte folgten: auf den Biſchof, den Pfarrer, den Kirchen⸗ vorſtand, die Gemeindevertretung und die altkatholiſche Jugend. Die Abendverſammlung im evangel. Vereinshauſe war von Gemeindemitgliedern und Gäſten ſehr ſtark beſucht. Eröffnet wurde dieſelbe mit einer poetiſchen Begrüßung des Herrn Biſchofs durch Herrn Lehrer Reiſer. Eine ganze Reihe der herrlichſten muſikaliſchen Genüſſe in Sang und Spiel wurde abwechſelnd mit Vorträgen geboten. Herr Pfarrer Steinwachs gab eine kurze Chronik der Gemeinde. Der Biſchof ſprach über die verſchiedenen Gegner des Altkatholizismus. Herr Fabrikant Müller legte namens der Gemeinde das Gelöbnis treuen Ausharrens ab. Bei voller Anerkennung der beſtehenden Verſchiedenheiten wurde wiederholt die zwiſchen der altkatho⸗ liſchen und den evangeliſchen Gemeinden der Stadt beſtehende Einigkeit und Friedfertigkeit von beiden Seiten hervorgehoben. Der Abend verlief in allſeitig gehobener Stimmung. Zuletzt noch die Mitteilung, daß von verſchiedenen Teilnehmern an dem Feſte 700 Mk. für den Kirchenbau gegeben wurden. Derſelbe iſt für die Gemeinde ein dringendes Bedürfnis. Er ſei daher bei dieſer Gelegenheit allen Freunden des Altkatho⸗ lizismus aufs neue warm ans Herz gelegt.

Kroefeld. Am 17. April fand die Einführung des neuen Pfarrers, Herrn Lic. Moog, durch den Herrn Biſchof Dr. Weber ſtatt. Im Anſchluß an die Einführung hielt ſo⸗ dann der neue Pfarrer das deutſche Hochamt und richtete nach Beendigung desſelben vom Altare aus eine Anſprache an die Gemeinde. Mit dem GeſangeGroßer Gott, wir loben Dich ſchloß die ſchöne Feier.

Berlin. DieTägl. Rundſchau bringt in Nr. 78 einen zweifelsohne vom Grafen v. Hoensbroech ſtammenden Leitartikel überDas Zentrum. Wir entnehmen demſelben: Wieder einmal ſteht das Zentrum im Vordergrunde politiſcher Beachtung. Mit unglaublicher Zähigkeit und vollendetem Geſchicke iſt es dem Vertreter des Ultramontanismus in Deutſch⸗ land gelungen, im Laufe der Jahre die parlamentariſche Vor⸗ herrſchaft ſich zu erringen.... Parteien und Regierung ſtehen bittend an ſeinen Thüren. Erſtaunlicher Wechſel! Wie lange iſt es her, daß weder Regierung noch Parteien etwas vom Zentrum wiſſen wollten; daß man ſeine MitgliederReichs⸗ feinde ſchalt; daß man geſchloſſen wie ein Mann das Zen trum niederſtimmte und ihm mit erdrückender Mehrheit Geſetze an den Nacken zwang, die es vernichten ſollten?...(Und jetzte²) Das Ziel iſt erreicht, ſo vollſtändig, daß nnſere künftigen Panzerkoloſſe, mit der kaiſerlich deutſchen Kriegs⸗ flagge im Topp, an ihrem Bug die Inſchrift tragen dürfen: von Zentrums Gnaden; ſo vollſtändig, daß am 1. Januar 1900 die erſte Rechtſprechung auf Grund des Bürgerlichen Geſetzbuches für das Deutſche Reich Herrn Dr. Lieber und Genoſſen ihr juriſtiſches Daſein verdankt. Herr von Miquel nannte beides neulich: nationale Thaten des Zentrums. Das Zentrum eine nationale Partei! Und ſeine Thaten nationale!... Nie iſt das Zentrum vater⸗ ländiſch um des Vaterlandes willen; immer und überall iſt ſeinenationale Politik untergeordnet denhöheren Rück⸗ ſichten ultramontaner Weltpolitik. Auch die vom Zentrum bewilligte Flotte fährt im Kielwaſſer desSchiffleins Petri; auch das vom Zentrum dem Deutſchen Reiche geſchenkte Bürgerliche Geſetzbuch ſteht unter demkanoniſchen Recht. Nichts lernen unſere Politiker, mögen ſie Miniſter oder Partei⸗ führer heißen, aus der Geſchichte. Wo in aller Welt iſt der Ultramontanismus echt und recht national geweſen; wo