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Die Vernichtung der katholisch-theologischen Fakultät in Gießen : ein dunkles Blatt in der neueren hessischen Geschichte : Vortrag im evangel. Männerverein / H. Steinwachs
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auch ihnen zum Heile kommt wie den Toten, die vor ihm ſtarben.

Nur bleibt hinſichtlich der Nachpredigt für die Toten aus der Zeit bis zu Chriſti Auferſtehung und Himmelfahrt, ſowie hinſichtlich ſeines entſprechenden fernern Kommens ſeit⸗ dem, immer feſtzuhalten, daß ſo nur denen Heil zu bringen, die befähigt, bei Gott im Geiſte zu leben; denn es iſt dadurch das Drohwort nicht beſeitigt:der eine wird angenommen, der andere wird preisgegeben(Luk. 17, 34 f.). Wer unter die zählt, die preisgegeben werden, hat von einer Nachpredigt für ihn kein Heil zu erwarten. Er iſt ſchon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes(Joh. 3, 18), d. i.(vgl. Joh. 3, 19 f.), weil er in ſeinem Lebenswerke zu dieſem Glauben, auch nur dem einge ſchloſſenen, nicht genügend gelangt iſt, vielmehr mit ſolchem Uebelwerke daſteht, daß des Herrn Nachkommen für ihn keine Beſſerung des Fehlenden bringen kann.

Für ihn kann in Anſehung der ſeinem Tode nachfol genden Dinge nur fraglich ſein, ob außer dem allgemeinen Endgerichte zuvor noch ein Einzelgericht ergeht, in welchem jeder für ſich Gott Rechenſchaft zu geben hat. Im übrigen gehört ein ſolcher nicht zu denSeligen und Heiligen, die da teil haben an der erſten Auferſtehung, zählt vielmehr zu denen, für die der Apokalyptiker weiter verkündigt:Die andern Toten leben nicht auf, bis die tauſend Jahre(d. i. die Zeit bis zu Chriſti Wiederkunft) vollendet ſind(Off. 20, 5 f.). Eine Qualhölle für ihn ſchon vorher anzunehmen, geht nicht an; die ſämtlichen Verkündigungen über die letzten Dinge, wie auch die Folgerungen aus ſeinem Zuſtande, ſtimmen nur zuſammen bei der gegenteiligen Annahme, daß die Toten, die im Weltgerichte oder auch ſchon vorher im Einzelgerichte verdammt werden, erſt nach unverklärter Leibesauferſtehung durch das Weltgericht in das Verdammungsleid verwieſen werden.

Der andere Höllenglaube, der heute noch weithin herrſcht, der die Qualhölle als ſchon längſt eröffnet anſieht für die, von denen es im zweiten Petrusbriefe(2 Petr. 2, 9) bloß heißt, daß ſiebewahrt werden zur Beſtrafung auf den Tag des Gerichts(ſofern dieſe Stelle ſo richtig übertragen und nicht ausſchließlich auf das göttliche Walten gegenüber den Gottloſen im diesſeitigen Leben zu beziehen iſt) dieſer an⸗ dere Höllenglaube erſcheint nicht haltbar. Ihn heute zu ver laſſen, hat um ſo weniger Bedenken, als gerade heute dieſer Glaube für viele Menſchen ein Hindernis iſt, um zu Chriſtus zu kommen. Oder ſollte für ihn noch gar das Wortab⸗ geſtiegen zu den Untern angeführt werden können, dies in Verbindung mit dem Epheſerbriefe:Daß er ‚aufſtiege, was heißt das anders, als daß er auch hina bgeſtiegen iſt in die untern Oerter der Erde(Eph. 4, 9)? Hatte und hat, ſo ſchließt ſich hier eine weitere Frage an, unſere Erde Oerter für die Toten? Wenn das zu bejahen ſein ſollte, ſo würde daraus noch nicht hervorgehen, daß bei ihnen das Verdammungs⸗ leid ſchon begonnen habe. Ob es aber und wie es bejaht werden kann, bleibt zu betrachten in dem zweitfolgenden Satze aufgefahren gen Himmel, wovon ja auch Paulus hier ausgegangen iſt.(II. Fortſetzung folgt.)

Korreſpondenzen und Berichte.

München. Am 27. April feierte Hr. Pfarrer A. Gatzen⸗ meier ſein 25 jähriges Prieſterjubiläum. Faſt ebenſo lange wirkt derſelbe als Seelſorger in der hieſigen altkatholiſchen Gemeinde.

An dieſem Tage war aus Anlaß des Gehurtsfeſtes Sr. Majeſtät des Königs Otto feierlicher Gottesdienſt. Der⸗ ſelbe wurde von dem Jubilar abgehalten. Ihm zu Ehren fand nach dem Gottesdienſte in dem an die Sakriſtei anſtoßenden Sitzungsſaale eine ſinnige Feier ſtatt. Der Saal war mit Guirlanden und Topfgewächſen ſchön geſchmückt. An der Wand prangte in Silber die Zahl 25.

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Zu den Mitgliedern des Kirchenvorſtandes geſellten ſich die Herren Kaplan Ullmann, der zufällig in München weilende Pfarrer Meißner aus Landau und Bauführer Trient, der eigens zur Feier aus Augsburg erſchienen war. Im Namen aller begrüßte der Vorſitzende des Kirchen⸗ vorſtandes den Jubilar mit herzlichen Worten und überreichte ihm eine geſchmackvoll ausgeſtattete Adreſſe mit folgendem Wortlaut: Hochverehrter Herr Pfarrer!

Am heutigen Tage vollenden ſich fünfundzwanzig Jahre, daß Ihnen Erzbiſchof Loos in Utrecht die Prieſterweihe er⸗ teilt und Sie einen Beruf übernommen haben, der zwar reichen Segen für ſich und andere, aber auch viele perſön liche Opfer und große Verantwortlichkeit in ſich ſchließt.

Fünfundzwanzig Jahre ſtehen Sie in der Erfüllung Ihrer prieſterlichen und pfarramtlichen Pflichten, und wer könnte darüber ein beſſeres Urteil fällen, als unſere Ihre Gemeinde, in der Sie ausſchließlich all die Jahre her Ihres Amtes treu gewaltet haben, und welche das, was Ihnen mit der Prieſterweihe aus dem unerſchöpflichen Gnadenquell Jeſu Chriſti anvertraut worden, in reichem Maße empfangen hat wie in den Tagen des Friedens, ſo in den Tagen der Not.

Die Aufgabe, die Sie mit unſerer Gemeinde übernommen haben, war keine leicht lösbare, denn ſchwere Prüfungen waren Ihnen mit uns nicht erſpart geblieben. Aber voll Treue und Liebe ſtanden Sie im Amt und im Leben zu Ihrer Gemeinde; in Ihrer Unerſchütterlichkeit eines felſen feſten Gottvertrauens waren Sie derſelben allzeit ein leuch tendes Vorbild und unter Gottes ſichtbarem Beiſtand führten Sie dieſelbe durch alle Bedrängniſſe hindurch, ſo daß ſie heute befeſtigter als je daſteht.

In Erinnerung an all dieſe Wohlthaten und auch aus perſönlicher Hochſchätzung kommen wir heute zu Ihnen, um aus vollem Herzen Ihnen zu danken, und wir kommen zu Ihnen mit dem innigen Wunſche, Gott möge Sie uns und unſerm heiligen Werke noch Jahrzehnte in voller Geſundheit des Körpers und Geiſtes erhalten!

Herr Trient brachte als Vorſitzender die Glückwünſche der von Pfarrer Gatzenmeier gegründeten Gemeinde in Augsburg dar. Auch Pfarrer Meißner ergriff das Wort. Er bemerkte unter anderm, daß er von der Jubelfeier keine Ahnung gehabt, als er in die Kirche gekommen ſei, daß es der ſchönſte altkatholiſche Gottesdienſt geweſen, dem er bis jetzt beigewohnt habe, und daß er wohl im Sinne aller Kollegen handle, wenn er dem Jubilar deren Sympathien und herzlichſte Segenswünſche zum Ausdruck bringe. Tief bewegt dankte Pfarrer Gatzenmeier allen Gratulanten. An⸗ knüpfend an die ſchöne Adreſſe verbreitete er ſich über die 25 Jahre ſeines prieſterlichen Wirkens. Mit hohen Idealen ſei er in den geiſtlichen Stand eingetreten, und ſeine Ideale ſeien in den Wirrniſſen der Zeit nicht erloſchen. Die Kämpfe, welche in München zu beſtehen geweſen, hätten ihn und die Gemeinde nicht entmutigt, ſondern geſtählt. Trotz allen Fähr⸗ lichkeiten habe ſich die Münchener Gemeinde auf ihrer Höhe gehalten. Im Rückblick auf die Vergangenheit dürften wir mit dem Propheten Samuel ſprechen: Bis hieher hat uns der Herr geholfen. Aus dem Blick auf die Vergangenheit könnten wir aber auch Zuverſicht ſchöpfen für die Zukunft: der Herr werde uns auch weiter helfen. Beſonderen Dank ſprach Pfarrer Gatzenmeier den Männern aus, die ihm treu zur Seite geſtanden. Er bat um ihre fernere Unterſtützung und gelobte ſeinerſeits, auch fürderhin alle ſeine Kräfte in den Dienſt unſrer heiligen Sache zu ſtellen. Er ſchloß mit den Worten: Wir bleiben die Alten, was ſich auch neu mag geſtalten.

München. Aus der Rede des Herrn Kultusminiſters von Landmann in der Plenarſitzung der Abgeordnetenkammer vom 19. April gelegentlich des KapitelsDeutſche Schulen