des letzten Adam gefolgt iſt; für dieſen Hinzutritt zu dem Kreuzesopfer des Herrn, der allen offen ſteht, wird hinſicht— lich derer, denen ſein Evangelium nicht verkündigt iſt, nament⸗ lich durch die dem nachjolgenden Satze des Apoſtolikums „abgeſtiegen zu den Unteru“ vorausſtehende Schrift Näheres gebracht. Für die, denen das Evangelium verkündigt wurde, gilt auch heute, wie die Apoſtel die Erſten gewieſen haben, zunächſt, womit Petrus in ſeiner erſten Verkündigung des Herrn zu Jeruſalem ſchloß:„So wiſſe nun das ganze Haus Iſrael, daß ihn Gott zum Herrn und Chriſtus gemacht hat.
Thut Buße und laſſe ein jeder ſich taufen auf den Namen Jeſu Chriſti zur Vergebung der Sünden, ſo werdet ihr empfangen die Gabe des hl. Geiſtes“(Th. 2, 36. 38). Des weiteren für dieſen Hinzutritt, nämlich bei fernerem Sündigen, heißt es:„Laßt uns feſthalten an dem Bekenntniſſe, denn wir haben nicht einen Hohenprieſter, der nicht mitfühlen könnte mit unſeren Schwachheiten, ſondern der verſucht iſt in allem, ähnlich wie wir, nur ohne Sünde; ſo laßt uns denn mit Zuverſicht hintreten zu dem Throne der Gnade“(Hebr. 4, 14 ff.). Feſthaltend an dem Bekenntniſſe in dem liebeskräftigen Glauben an Jeſus Chriſtus finden wir wieder und wieder Verzeihung. Für das Letzte aber, das wir in demſelben Hinzutritte angeſichts des„gelitten, gekreuzigt, geſtorben und begraben“ erreichen ſollen, lehrt Paulus, daß wir,„die wir auf Chriſtus Jeſus getauft ſind, auch auf ſeinen Tod getauft wurden, um mit ihm gekreuzigt zu werden in unſerem alten Menſchen, um mit ihm zu ſterben, nämlich der Sünde abgeſtorben und begraben zu ſein zu neuem Stande des Lebens“(Röm. 6, 1— 6). All dem voraus verkündigte der Herr:„Wenn ich erhöht ſein werde von der Erde, werde ich alle an mich ziehen“ (Joh. 12, 32).
Welch anderes Glaubenswort könnte werter ſein als dies, worüber Paulus den Korinthern ſchrieb:„Ich hielt mich nicht dafür, etwas unter euch zu wiſſen als allein Jeſus Chriſtus und zwar den Gekreuzigten(1 Kor. 2, 2). Das Wort von Chriſtus dem Gekreuzigten mit ſeiner Erhöhung nach ſeiner Erniedrigung zeigt uns, welch höchſtes Heil unſer iſt, wenn wir die Sünde überwinden. Vor allem aber iſt
das Wort vom Kreuze den Menſchen von Werte für das ihnen Schwerſte, die Sünde wahrhaft zu erkennen: nicht bloß daß unſer Geſchlecht ein ſündiges geworden iſt, ſondern auch wie furchtbar die Menſchen von der Sünde umſtrickt ſind, ſo daß Gott ſeines eigenen Sohnes nicht ſchonte, um nur ſie zu retten(Röm. 8, 32. Joh. 3, 16). Ohne dieſe Erkenntnis kann der einzelne Menſch ſein Heilswerk nur fehlerhaft vollführen. In dem Zuſammenſtehen der Menſchen aber muß ohne ſie das Reich Gottes ihnen ferne bleiben oder wieder verloren gehen, wenn es ihnen gekommen iſt. Denn ohne ſie wiederholt ſich, was Paulus den Korinthern über das Wort vom Kreuze weiter ſchrieb, daß es den Heiden eine Thorheit ſei(1 Kor. 1, 18. 23), gelangt jener falſche Na⸗ turalismus zur Herrſchaft, der in der Erlöſung durch den Gekreuzigten und in ſeiner Nachfolge nur Thorheit erblickt. Dieſer ſieht alles, was in der Menſchheit ſich begibt, als natürlich recht an und leugnet die Sünde. Wie ſollen da die Menſchen„ſich durch den Geiſt Gottes noch ſtrafen laſſen“? Wie ſoll da ſich nicht die Gewalthand erheben zum Sturze aller Ordnungen und das Gericht nicht über ſie kommen? So wird es auch gerade heute wieder in der Menſchheit weithin erblickt.(Fortſetzung folgt.)
Die Vernichtung der katholiſch-theologiſchen Fakultät in Gießen. (Fortſetzung.) Durch den Wiener Kongreß hatten die Staaten Heſſen⸗ Darmſtadt, Heſſen⸗Kaſſel, Naſſau, Baden und Württem⸗
berg eine erheblich größere Zahl katholiſcher Unterthanen
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erhalten, als ſie früher hatten. Da ſah es nun gerade be⸗ treffs der katholiſchen Kirche gar traurig aus: die Biſchofs⸗ ſitze verwaiſt, die Grenzen der Diözeſen noch zweifelhaft, die Anſtalten für die Heranbildung des Klerus ungenügend, die katholiſch-theologiſche Wiſſenſchaft wie im ganzen übrigen Deutſchland in ihrer tiefſten Erniedrigung und faſt ungenießbar. Die proteſtantiſchen Oberhäupter der genannten Staaten hielten es für ihre Pflicht, ſo raſch wie möglich Ordnung in dieſe Verhältniſſe zu bringen. Ihre Regierungen ſetzten ſich einer— ſeits mit dem Papſt in Verbindung, anderſeits traten ſie in Frankfurt zu Beratungen zuſammen, die vom 20. März bis 7. Oktober 1818 währten. Die Regierungen, ſich der Pflichten gegen ihre katholiſchen Unterthanen bewußt und zugleich beſtrebt, ſich deren Liebe zu erwerben, ſcheuten kein Opfer. Die äußeren Verhältniſſe waren bald geordnet, die Biſchofsſitze mit würdigen Männern beſetzt. Nur betreffs der Vorbildung der Geiſtlichen konnte man in Rom nicht einig werden. Die genannten Regierungen hatten am 24. März 1819 dem Papſt Pius VII. eine Deklaration überreichen laſſen, in der ſie bezüglich dieſer Angelegenheit erklärten:„Die biſchöflichen Seminare, welche zu Rottenburg und Meersburg (das nach Raſtatt zu verlegen) und Mainz ſchon beſtehen, um die dem geiſtlichen Stande ſich widmenden Jünglinge zu bilden, werden erhalten werden. Wo aber Seminare noch nicht beſtehen, da wird man Sorge tragen, daß entweder neue errichtet oder die Jünglinge in ein anderes ſchon ge⸗ gründetes biſchöfliches Seminar innerhalb der Provinz auf⸗. genommen werden. In die Seminare werden von den Bi⸗ ſchöfen nur ſolche aufgenommen werden, welche ausgezeichnet durch Sittenreinheit und in einem vom Staat angeordneten Examen geprüft und beſtanden als der Aufnahme würdig befunden worden ſind. Den Zugelaſſenen wird der zur Er— langung der höheren Weihen nötige Tiſchtitel von dem Landes⸗ fürſten zuerteilt werden. Auch werden der Provinz nicht akademiſche Inſtitute fehlen, damit die, welche ſich den hei⸗ ligen Dienſten zu widmen wünſchen, in den theologiſchen Wiſſen⸗ ſchaften Unterricht erhalten.“ Man ſollte meinen, dem hei⸗ ligſten Vater hätte das Herz im Leibe lachen müſſen, als er vernahm, wie eilig es dieſe proteſtantiſchen Fürſten hatten, ihm auf ihre Koſten einen würdigen, wiſſenſchaftlich gebildeten und geachteten Klerus erziehen zu helfen.— Weit gefehlt! Es kommt im Gegenteil eine ſehr ungnädige und ablehnende Antwort. Am 10. Auguſt 1819 ſchickte Kardinal Conſalvi folgende Darſtellung der Geſinnung Sr. Heiligkeit betreffs dieſes Punktes:„Was am meiſten die Sorge des hl. Vaters in Hinſicht der Seminarien, welche der Gegenſtand der zärt⸗ lichſten Sorgfalt für die katholiſche Kirche ſind, in Anſpruch nimmt, iſt die Form, welche man dieſen Seminarien anpaſſen will. Aus dem letzten Abſatze hat Se. Heiligkeit erſehen, daß Schulen der heiligen Wiſſenſchaften auf den Univerſitäten er⸗ richtet und daß folglich in die Seminarien nur erwachſene Jünglinge aufgenommen werden ſollen, um daſelbſt das Prak⸗ tiſche ihres heiligen Amtes, die Paſtoralpflichten, die Liturgie und andere dergleichen Gegenſtände zu erlernen. Eine Ge⸗ ſtaltung indeſſen, welche der vom Trienter Konzil feſtgeſetzten geradezu entgegen iſt, welche dem Zweck widerſtreitet, den die Kirche bei Errichtung der Seminarien ſich vorſteckte, und welche die Rechte der Biſchöſe in Anordnung der Erziehung und des Unterrichtes der Weltgeiſtlichen in den ihrem Stande notwendigen Kenntniſſen verletzt, kann von dem heiligen Vater nicht genehmigt werden. Das heilige Konzil von Trient, welches in der 23. Sitzung von den Seminarien redet, ſetzt feſt, daß in denſelben eine beſtimmte Anzahl Knaben unter—
halten, religiös erzogen und in den kirchlichen Wiſſenſchaften unterrichtet werden ſoll. Und wirklich iſt der Zweck, welchen
die Kirche bei Errichtung von Seminarien hatte, gerade der geweſen, diejenigen, welche Diener der Kirche werden wollen,
ſchon von ihrer zarten Jugend an unter der Auf⸗
ſicht und gänzlichen Abhängigkeit von den Biſchöfen


