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Die Vernichtung der katholisch-theologischen Fakultät in Gießen : ein dunkles Blatt in der neueren hessischen Geschichte : Vortrag im evangel. Männerverein / H. Steinwachs
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es blieb ihnen aber unerreicht, als ſie ſündigten. Als ſie ſündigten, wandten ſie ſich nach der Gegenſeite, verfielen ſie für ſich und ihr Geſchlecht dem Leibestode(Röm. 5, 12. 8, 23) jenem, was für unſere organiſche Seite ein Na türliches iſt, dagegen ein Widerſpruch für uns Menſchen nach Leib und Seele zuſammen, vor dem jeder erſchrickt Gebr. 2, 15) Da ward die auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes in dem menſchlichen Geſchlechte harrende Schöpfung der Nich⸗ tigkeit unterworfen, nicht durch ihren Willen, ſondern um deſſen willen, der ſie unterworfen hat(Röm. 8, 19 f.). So⸗ nach iſt die Natur noch Gottes Ordnung, aber herab geſunken in Anſehung des für ihre Entfaltung geſetzten Zieles, ſo herabgeſunken durch den Menſchen, durch den Mißbrauch ſeiner ſchöpfungsgemäßen Freiheit. Des ferneren trifft dies auch für das menſchliche Leben bis zur Erreichung des Todesendes zu, namentlich für die Geſchlechtsverhältniſſe, deren beſondere Organe die Menſchen gar als ihreScham verhüllen. In die ſonach herabgeſunkenen Naturverhältniſſe der menſchlichen Leiblichkeit hatte Chriſtus, im Fleiſche kom⸗ mend, bloß ſo weit einzutreten, als zu unſerer Erlöſung er forderlich war. Dazu genügte die Erzeugung allein vom Weibe ſie ein Außerordentliches, nicht wider, ſondern noch innerhalb der Natur; zeigt doch die Welt der Organismen das Hervorgehen eines neuen Einzelweſens von nur einem Vorweſen gar doppelt, nicht bloß in der Tiefe des(rea⸗ liſtiſchen?) Tierreichs, ſondern auch in dem(idealiſtiſchen?) Pflanzenreiche, hier gar in deſſen höchſter Entfaltung! Wenn dennoch Chriſtusgläubige, die dies im übrigen ſind, Empfängnis und Geburt unſeres Herrn ſo nicht glauben annehmen zu können und namentlich das hier bibliſch Er⸗ zählte ats mythiſch anſehen, ſo will das vielen von uns als unerträglich erſcheinen. Ob wir aber berechtigt ſind, jene deshalb nicht mehr als Chriſten anzuſehen? Gegenüber ſteht das Hervorgehen des erſten Adam zufolge der bibliſchen Schöpfungs⸗ und Paradieserzählung. Auch dieſe hat man als mythiſch verfolgt, und der Chriſten, die dem beipflichten, ſind noch viel mehr. Solcher Auffaſſung der bibliſchen An fangserzählung gegenüber iſt nur zuzugeben, daß man in der näheren Beſchreibung der vier Paradiesſtröme zwar nicht ein mythiſches, aber doch geographiſch-legendariſches Ein⸗ ſchiebſel vor ſich habe. In allem Uebrigen ſteht die bibliſche Anfangserzählung dem Mythiſchen noch ferner, doch fehlt es uns an übereinſtimmender anderer Erklärung. So deutet dieſe Gegenüberſtellung auf Duldung bei den Fragen nach dem an ſich noch viel Vechüllteren, Empfängnis und Geburt des letzten Adam. Darauf ſind wir denn gar ſchon durch das Apoſtolikum hingewieſen, inſofern, als es bei ſeiner Zu⸗ ſammenfaſſung der bezüglichen Schriftſteller die Empfängnis des Herrn vom hl. Geiſte ohne Mann nur eingeſchloſſen durch den ZuſatzJungfrau zu Maria hervorhob. Wir ſind darauf ferner hingewieſen durch den Umſtand, daß hier das Wort vomhl. Geiſte zum erſten Mal im Apoſtolikum vorkommt. Durch den hl. Geiſt iſt die Liebe Gottes in un⸗ ſere Herzen ausgegoſſen(Röm. 5, 5); die Liebe Gottes aber wird bekannt und gethätigt durch die Liebe des Bruders (1 Joh 4, 20 f.) und dieſe vor allem durch religiöſe Duldung, bei Beachtung der beiden ſich ergänzenden Weiſungen des Herrn:Wer nicht für mich iſt, der iſt wider mich(Luk. 11, 23) und Luk. 9, 50)Wer nicht wider euch(oder: uns)

iſt, der iſt für euch(oder: uns), dazu unter Feſthaltung des johanneiſchen Leitwortes:Jeder Geiſt, der bekennt, daß

Jeſus Chriſtus im Fleiſche gekommen, iſt aus Gott(1 Joh. 4, 2). Wegen unſerer Unduldſamkeit haben die chriſtlichen Recht⸗ gläubigkeitsſtreite vielfach ſo wenig Frucht, oft gar nur wei⸗ tere Entzweiung gebracht.

Durch ſeine folgenden Sätze: hat gelitten unter Pontius kreuzigt, geſtorben,

will das Apoſtolikum nicht

Pilatus, iſt ge⸗ begraben zum Glauben vorſtellen, was hier

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Gegenſtand des geſicherten Wiſſens von Jeſus Chriſtus iſt; doch lehnt es ſich an dies an und bringt ſo namentlich auch den Pontius Pilatus in das Credo, weil Glauben und Wiſſen zur gegenſeitigen Beſtärkung Hanz in Hand gehen ſollen. Zum Glauben dagegen iſt hier das Leiden und Sterben des Herrn vorgeſtellt, um die, wie für die Menſchheit überhaupt, ſo insbeſondere für die chriſtgläubige Menſchheit darin liegende Bedeutung zu ſuchen und zu finden.

Der allreine Sohn Gottes hatte Leid und Tod nicht für ſich ſelbſt um eigener Erlöſung willen zu ertragen. Er, der keine Sünde kannte, ward zur Sünde gemacht, damit wir die in Finſternis und Todesſchatten Sitzenden Gerechtigkeit Gottes in ihm würden(2 Korr. 5, 21 Luk. 1, 79) Sein Blut vergoß er für uns zur Vergeltung der Sünden(Luk 22, 20. Matth. 26, 28), wir ſollten durch ſeine Wunden geheilt werden(I Petr. 2, 24). So ward er die Verſöhnung für unſere Sünden, nicht aber bloß für die unſern, ſondern die der ganzen Welt(1 Joh 2, 2). Denn da er in die Welt kommt, ſagt er: Opfer und Darbringung haſt du nicht gewollt, aber einen Leib haſt du mir bereitet, Ganzopfer und Sündopfer gefallen dir nicht, da ſprach ich: Siehe ich komme(im Buche ſteht von mir geſchrieben) zu thun... Gott, deinen Willen... In dieſem Willen ſind wir geheiligt durch die Darbringung des Leibes Jeſu Chriſti ein für allemal(Hebr. 10, 5 10).

Erſt der Kreuzestod des Herrn war das Gott wohl⸗ gefällige helfende Opfer. Dies darbringend, ward er nach dem Schattenvorbilde des altteſtamentlichen Hohenprieſters der wahre Hoheprieſter für das ganze Menſchenvolk und voll⸗ endete unſerer Erlöſung. Damachte er durch ſeinen Tod zu nichte den, der Gewalt über den Tod hat, d. i. den Teufel, und befreite ſo uns, die durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte ſein mußten(Hebr. 2). So nämlich Knechte unter dem Verführer der Menſchheitseltern waren wir ge⸗ worden durch den Menſchheitsvater dem Fleiſche nach, als durch ihn, den Einen, die Sünde in die Welt kam und durch die Sünde der Tod und dieſer auf alle Menſchen überging, weil alle geſündigt haben; dies aber geſchahdurch den Ungehorſam des Einen, wodurch die Vielen in den Sündenzuſtandverſetzt wurden. Darnach konnte auch durch den andern Einen, Jeſus Chriſtus, deneinzigen Sohn, und deſſen Gehorſam für das Menſchen⸗ geſchlecht das Verlorene wieder gewonnen, konnten durch ihn die Vielen in den Stand der Gerechtigkeit verſetzt werden. (Röm. 5). Und alſo ſind wir, iſt die Menſchheit durch ſeinen Gehorſam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze entſühnt und geheiligt. Dieſer Wiedergewinn des Verlorenen war dabei verbunden mit Zugewinn, nämlich mit dem Zugewinn größerer Herrlichkeit als derjenigen, zu der die Menſchheit ohne die Sünde gelangt wäre. Denn als der zum Königtume der Welt berufene Erſterzeugte aller Schöpfung am Kreuze auch als der Prieſter in Ewigkeit hervorging (Hebr. 5), brachte er ſein Opfer zwar nicht für ſich, gewann indes wegen ſeiner Erniedrigung jene namentlich im Philipperbriefe gefeierte Erhöhung, zufolge deren dem Gekreuzigten eine ent ſprechend größere Herrlichkeit gegeben iſt. In dieſem Sinne iſt des Herren Wort zu den beiden Jüngern zu erfaſſen, die nach Emaus gingen:Mußte nicht der Meſſias dies leiden und in ſeine Herrlichkeit eingehen? Wie aber ihm ſelbſt dadurch größere Herrlichkeit geworden iſt, ſo auch der ihm folgenden Menſchheit überhaupt, denn dieſe ſollen teil haben an allem, was ſein iſt(Joh. 12, 26).

Indem er ſo ein Opfer für die Sünden auf immer dargebracht hat(Hebr. 10, 12), iſt dies doch nicht dergeſtalt geſchehen, daß jeder dadurch ohne weiteres und für immer entſündigt und geheiligt würde, vielmehr dergeſtalt, daß jeder hinzutreten könne, um Erbarmen und Gnade zu finden in rechtzeitiger Hilfe(Hebr. 4, 16). Das Gericht über den einzelnen Menſchen wird nach dem ergehen, wie er ſelbſt entweder dem Sündigen des erſten Adam oder demRechttun