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Die Vernichtung der katholisch-theologischen Fakultät in Gießen : ein dunkles Blatt in der neueren hessischen Geschichte : Vortrag im evangel. Männerverein / H. Steinwachs
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Müller abholen zu laſſen. Am 30. März händigte letzterer auf Grund eines höflichen Schreibens des hieſigen römiſchen Pfarramts die beiden Reliquienſteine aus.

Schweiz. Dem Biſchof Herzog ſind von Gebern, die nicht genannt ſein wollen, zur Aufnung des theologiſchen Stipendienfonds die Summe von 10 000 Frks. übergeben worden. Derſelbe hat die Schenkung im Einverſtändnis mit den edlen Donatoren der Berniſchen Erziehungsdirektion als Beitrag an den hieſigen, unter ſtaatlicher Aufſicht verwal⸗ teten Stipendienfonds der chriſtkatholiſchen theologiſchen Fa⸗ kultät übergeben. In Baſel ſpendete am Palmſonntag der Herr Biſchof 135 Kindern das Sakrament der Firmung. Um halb acht Uhr fand Morgengottesdienſt mit Gemeinde⸗ Buß⸗ und Kommunionandacht ſtatt. Um halb zehn Uhr be⸗ gann der Feſtgottesdienſt in der impoſanten, dicht beſetzten Predigerkirche. Der Herr Biſchof predigte auf Grund des Tagesevangeliums über das Kommen und Wohnen des Herrn in der Gemeinſchaft der Gläubigen. Der Gottesdienſt wurde verſchönert durch Chor⸗ und Gemeindegeſänge. Ein einfaches Mittagsmahl, gewürzt durch freundliche Reden, vereinigte Kirchenvorſtand und Gemeindeglieder um den lieben Gaſt.

Schweiz. DerKöln. Ztg. wird aus Bern, 2. April, geſchrieben: Aus verſchiedenen katholiſchen Kantonen kamen ſeit einiger Zeit Warnungsrufe der dortigen fortſchrittlichen Minder⸗ heiten gegen das Wiedererwachen ultramontaner Unduldſamkeit und eine außergewöhnliche Rührigkeit der römiſchen Geiſttlichkeit. Mehrere zur allgemeinen Kenntnis gelangte Vorgänge beſtätigten die an Ort und Stelle gemachten Wahrnehmungen, denen man in der übrigen Schweiz anfänglich keine große Beachtung ge ſchenkt hatte. In Wallis wird offen gegen den Proteſtantismus gepredigt, gegen den ſich ſogar der neueſte Hirtenbrief richtet. In Genf, in Teſſin und in Freiburg das gleiche Vorrücken. In letzterm Kanton wurde neulich wieder einem dort verſtor⸗ benen Proteſtanten eine anſtändige Beerdigung verweigert. In Schwyz bot der Biſchof bei einer Verfaſſungsabſtimmung den ganzen Klerus auf zur Bekämpfung der Vorlage. Ein ultra⸗ montanes Blatt der Weſtſchweiz, dieLiberté, ruft die Gläu⸗ bigen zur Sammlung und, da ſeine Partei bei rein materiellen und rein politiſchen Angelegenheiten ſortwährend unterliege, zur Fortſetzung des Kampfes auf dem Boden der konfeſſionellen Fragen. In gleichem Sinne ſchreibt ein Blatt im Berner Jura. Es läge nahe, dieſe Bewegung, an der nicht zu zweifeln iſt und deren einzelne Erſcheinungen offenbar zuſammenhangen, mit gewiſſen Vorgängen im Auslande in Verbindung zu bringen, allein es mag zur Zeit genügen, auf dieſelbe bei Zeiten hin⸗ gewieſen zu haben als auf einen Beweis, wie wenig tief in unſerm ſonſt aufgeklärten Ländchen die Axt des konfeſſionellen Krieges vergraben iſt.

Aus Holland. Ende Februar beging der Geiſtliche der Gemeinde Egmond aan Zee, Herr van Greuningen, unter vielſeitiger Teilnahme ſein 40 jähriges Prieſterjubiläum. In zwei Jahren wird er auch ſeine 40 jährige Thätigkeit als Pfarrer der dortigen altkatholiſchen Gemeinde feiern. Sein Vorgänger Glasberger begann ſeine Wirkſamkeit in Egmond aan Zee vor 100 Jahren, 1798, ſo daß daſelbſt innerhalb eines Jahrhunderts nur zwei Pfarrer gewirkt haben. Auf der Inſel Nordſtrand feierte am 20. März der Küſter der altkathol. Gemeinde, Herr Klauſen, ſein 50 jähriges Küſter⸗ jubiläum. Der Herr Pfarrer richtete an den Jubilar, der von vielen Seiten Zeichen freudiger Teilnahme erhielt, in der feſtlich geſchmückten Kirche eine herzliche Anſprache im Anſchluß an Pſalm 134. Der Jubilar, welcher ſein Amt an der Kirche in Nordſtrand unter vier Pfarrern verwaltet hat, erhielt das allgemeine Ehrenzeichen mit der Zahl 50.

(Altk. Volksbl.)

Italien. Für die Evangeliſation Italiens arbeitet neben den vielgenannten Waldenſerndie Evangeliſche Kirche Italiens, eine Kirchengemeinſchaft von 30 Kirchgemeinden, die ſich im Jahre 1870 zu Mailand alsFreie chriſtliche

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Kirche in Italien mit Bekenntnis und Verfaſſung durchaus bibliſch-geſunden Inhaltes der römiſchen Kirche, aus der ſie meiſt durch Bibelleſen hervorgegangen waren, gegenüberſteltte. Als im Jahre 1885 die gerade von dieſer Kirchengemeinſchaft angeregte und einſtimmig angenommene Vereinigung mit den Waldenſern zu einem gemeinſamen Kirchenkörper von den Waldenſern abgelehnt wurde, nahm dieſe Kirchengemeinſchaft den NamenEvangeliſche Kirche Italiens für ſich allein an, weil die Gegner den früheren Namen zum öfteren ge⸗ fliſſentlich rationaliſtiſch auslegten, um die junge Kirche, namentlich im Auslande, um ihren guten Ruf zu bringen. AlsEvangeliſche Kirche Italiens hat ſie denn auch im Jahre 1891 durch königliches Dekret die offizielle Anerkennung des Staates unter Verleihung der Rechte einer juriſtiſchen Perſon gefunden. Die aufſehenerregende evangeliſche Be⸗ wegung im Valſeſia(ſüdlich vom Monte Roſa in der Pro⸗ vinz Piemont) und Valſoana, die im Jahre 1896 ein Dutzend Ortſchaſten zum größten Teil ſich für das Evangelium er klären ließ, hat lediglich ihren Grund in der Arbeit der Evangeliſchen Kirche Italiens. Zu den genannten 30 Mutter⸗ gemeinden kommen noch 47 Tochtergemeinden, die in zehn Synoden: Piemont, Ligurien, Lambardei, Venetien, Emilia, Toskana, Rom, Neapel, Apulien und Sizilien eingeteilt ſind. An der Spitze ſteht ein von der jährlichen Generalverſamm⸗ lung gewähltes Evangeliſationskomitee, welches die Leitung des Ganzen in der Hand hat und der Generalverſammlung Rechenſchaft von ſeinem Thun ablegt. Gegenwärtig gehören ca. 2000 Glieder(Kommunikanten) zu dieſer Kirche. Eine theologiſche Schule, welche von 1878 1890 in Rom be⸗ ſtand, iſt ſeit 1895 in Florenz eingerichtet unter dem Namen Kurſus vorbereitender Studien für das heilige Amt. Zur Errichtung eines theologiſchen Konvikts fehlen leider die Mittel. Bei der großartigen Jubiläumsfeier am 20. September 1896 in Rom hatte dieEvangeliſche Kirche Italiens nicht bloß einen Ehrenplatz im Feſtzuge, ſondern war die einzige evan⸗ geliſche Kirchengemeinſchaft, deren Vertreter von dem Könige von Italien in offizieller Audienz empfangen wurden und eine Ergebenheitsadreſſe überreichen durften, welche an der Spitze eine nach allen Seiten Lichtſtrahlen ausſendende Bibel mit dem Wahlſpruche der Kirche:Wahrheit in Liebe zeigte. K. K.

Gr. Spanien. Von der in Spanien herrſchenden reli⸗ giöſen Unduldſamkeit gibt folgender Appell eine Probe, welcheu die in Valencia erſcheinendeAntorcha Valentina an den zuſtändigen Richter richtet und welcher beweiſt, daß in dem gelobten Lande der Inquiſition doch noch nicht aller Sinn für Recht und Billigkeit erſtorben iſt:Herr Richter! In der Calatravaſtraße wurde vorigen Sonntag ein Ver⸗ brechen begangen, das unbedingt geſühnt werden muß. Dort befindet ſich ein evangeliſcher Betſaal, wo die Bekenner der proteſtantiſchen Konfeſſion friedlich ſich vereinigen, um ihre Gottesdienſte zu feiern, ohne jemand zu nahe zu treten. Fanatiſche Haufen von Katholiken ſind nun ſchon verſchie⸗ dentlich in jene evangeliſche Kapelle eingedrungen, haben ſie entweiht und die verſammelten Gläubigen inſultiert. Am Sonntag aber überſtieg der Skandal alles Dageweſene. Zehn oder zwölf katholiſche Sakriſtane ſtürmten herein und be⸗

gannen einen Lärm zu vollführen, als ob ſie ſich in einer Kneipe befänden, ſodaß die Evangeliſchen ſich gezwungen ſahen, ihren Gottesdienſt zu unterbrechen, und der Prediger die Kanzel verlaſſen mußte. Dies geſchah vormittags. Während des Abendgottesdienſtes kamen drei oder vier von den Stören⸗ frieden wieder, während die übrigen an der Thür blieben und jenen den Rücken deckten. Neues Getümmel. Anſtän⸗ dige Leute, welche draußen vorbeipaſſierten, ſchlugen ſich auf die Seite der ſo ſchnöde angegriffenen Proteſtanten und zwangen die Tumultuanten, das Feld zu räumen. Die aber, feig und roh zugleich, ließen zu guterletzt noch eine Rakete los, wodurch den in großer Zahl anweſenden Frauen kein