Jeſus Chriſtus kann für dieſen kein weſentlich anderes Ver⸗ hältnis beſtehen; das ergibt ſich des weitern auch noch aus der im Apoſtolikum fernerhin folgenden Lehre vom„Abſteigen Jeſu Chriſti zu den Untern“.
Mit dem(den) Namen Jeſus Chriſtus tritt das Apo⸗ ſtolikum vor die hiſtoriſche Perſon Jeſu. Die Annahme der geſchichtlich ſichern Kunde von ihr kann nach der Lehre, daß der Glaube die Ueberführung iſt von dem, was nicht geſehen wird, der hier geforderte Glaube nicht ſein, er iſt anders zu ſuchen. Er iſt zu ſuchen, wie die ſchon bezogenen Stellen der Johannesbriefe(1 Joh. 4, 2. 2 Joh. 7. 9.) in anderer Uebertragung beſagen, wonach Jeſus der im Fleiſche gekom⸗ mene Chriſtus iſt
Die beiden Namen Jeſus und Chriſtus kommen im Neuen Teſtamente häufig auch jeder für ſich allein vor; ebenſo häufig iſt die Zuſammenſtellung Jeſus Chriſtus, dieſe noch in Umſtellung Chriſtus Jeſus bei Paulus⸗ Von ihnen iſt„Jeſus“ der perſönliche Name,„Chriſtus“ das griechiſche Wort für das jüdiſche„Meſſias“, für den Verheißenen des Alten Bundes,„der kommen ſollte“(Matth. 11, 3. Joh. 11, 27), der aber nicht bloß den Juden verheißen war, ſondern zufolge des Wortes, daß in„Abrahams Samen“ alle Völker gefegnet werden ſollten, wie auch ſchon nach ſeiner anfänglichen Verheißung als„Same des Weibes“, welcher dem Feinde den Kopf zertreten werde, der für die ganze Menſchheit Verheißene war. Bei ſolcher vorausge⸗ ſtandener Verheißung, die durch das Kommen Jeſu Chriſti im Fleiſche erfüllt worden, ſtellt das Apoſtolikum Jeſus Chriſtus zum Glauben vor nicht anders als Johannes im Abſchluſſe ſeines Evangelinms, wo er ſagt:„Dieſe(Zeichen, die Jeſus gethan hat) ſind geſchrieben, damit ihr glaubet, daß Jeſus iſt der Chriſtus, der Sohn Gottes, und durch den Glauben Leben habt in ſeinem Namen.“ Der lateiniſche Text des Apoſtolikums kann hier in gleicher Weiſe über⸗ tragen werden, nämlich:„Ich glaube an Jeſus den Chriſtus“ Vielleicht hat auch die verſchiedentliche pauliniſche Umſtellung „Chriſtus Jeſus“ den Zweck gehabt, durch die Vorausſtellung von„Chriſtus“ hervorzuheben, daß Jeſus der Chriſtus iſt.
Was Johannes in dem Abſchluſſe ſeines Evangeliums durch die Worte„der Sohn Gottes“ ſofort anfügt, läßt das Apoſtolikum gleichfalls ſofort folgen:„ſeinen einzigen Sohn“; dies wenn von dem zu„Sohn“ beigefügten„einzig“ abge⸗ ſehen wird und die Zurückbeziehung durch„ſein“ auf das Wort„Gott“ in dem vorausſtehenden Satze geht. Nach der Meinung, die ſeit dem Arianismus herrſchte, ſoll hier das Apoſtolikum die göttliche Seite Jeſu Chriſti treffen, ſeine Sohnſchaft in der Gottheit. Dem entſprechend iſt die Trini⸗ tätslehre entwickelt. Danach wird weniger Gewicht gelegt auf das im Eingange des Joh. Ev. für die zweite göttliche Perſon Geſagte:„Wort, das Gott und bei Gott“, als auf den im Joh. Ev. folgenden Ausſpruch:„Das Wort iſt Fleiſch geworden und zeltete unter uns, und wir haben ge— ſehen ſeine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Einge⸗ bornen vom Vater.“ Insbeſondere nach dieſem Aus⸗ ſpruche, außerdem auch unter Heranziehung weiterer Schrift⸗ ſtellen, ſind die Worte„einziger Sohn“ im Apoſtolikum und ebenſo der Name„Sohn“ in zweiter Stelle der Taufformel ſeit dem großen arianiſchen Streite dahin erfaßt worden, wie dies die Zuſätze in dem nicäno⸗konſtantinopolitaniſchen Sym⸗ bolum beſagen. Anſtatt der Worte„ſein einziger Sohn“ des Apoſtolikums heißt es hier:„Gottes eingeborner Sohn“; ſodann von dieſem weiter:„aus dem Vater geboren vor aller Zeit, Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott von wahrem Gott, gezeugt, nicht gemacht, gleicher Weſenheit mit dem Vater, durch den alles gemacht worden“ So wird noch heute gelehrt; das Apoſtolikum weiſt anders.
Jeſus Chriſtus iſt nach überall unbeſtrittener Lehre der Sohn Gottes; aber der Sohn Gottes iſt er, der Gott⸗Menſch, zufolge der Schrift nicht als Gott, nicht als„das Wort,
124
das Gott und bei Gott“, ſondern als Menſch. Dabei darf in Anſehung ſeiner Menſchheit nur nicht lediglich auf ihn als „den im Fleiſche gekommenen“ hingeblickt werden, muß— wegen vieler hier in Betracht kommender, von der herrſchen⸗ den Lehre auf ſein göttliches Vorſein bezogenen Schrift⸗ ſtellen— vielmehr ein, durch die frühere Erſchaffung ſeiner menſchlichen Seele bedingtes, menſchgeſchöpfliches Vorſein vor ſeiner Empfängnis und Geburt von Maria vorausgeſetzt werden— dies eine Vorausſetzung in Uebereinſtimmung mit dem für die Menſchenſeelen überhaupt anzunehmenden Vorſein, die insbeſondere auch durch das Schriftwort von der Fleiſch— Werdung(nicht Menſch-Werdung) des Wortes offen ge⸗ laſſen iſt. Das Apoſtolikum kann nur mit Zwang anders erklärt werden in gleicher Weiſe wie die hier vorausſtehenden Schriftſtellen.
Einer andern Erklärung des Apoſtolikums ſteht nament⸗ lich entgegen die Zurückbeziehung„ſein Sohn“ und die Be⸗ zeichnung des Sohnes als des„einzigen“. Durch die Zurückbeziehung iſt Jeſus Chriſtus hingeſtellt als Sohn deſſen, der im erſten Satze vorgeführt iſt als„Gott“ mit den nähern Beſtimmungen:„Vater“,„Allmächtiger“(im Sinne des griechiſchen Subſtantivs Pantokrator) und„Schöpfer Himmels und der Erde“. Da erſcheint es willkürlich, nicht auf das Wort„Gott“ in dem vorausſtehenden Satze zurückzugehen,
ſondern auf die Appoſitionen zu„Gott“ und von dieſen die.
erſte„Vater“(gar noch mit fehlerhaft beigefügtem„allmächtig“ im Sinne des lateiniſchen Adjektivs omnipotens) herauszu⸗ greifen und hierauf den Sohn zurückzubeziehen. Aber auch dadurch erreicht man noch nicht, was man bedarf, um den Sohn Gottes in der Gottheit ſuchen zu können; man muß dazu noch von dem vorher im Apoſtolikum gelehrten Satze, daß Gott Vater iſt, in deſſen nächſtem Sinne abſehen und bloß den hier nur im Hintergrunde ſtehenden Namen für die erſte göttliche Perſon berückſichtigen.— Ebenſoſehr wider⸗ ſpricht die Bezeichnung des Sohnes durch„einzig“. Handelte es ſich um die göttliche Seite Jeſu Chriſti, um ihn als göttlichen Sohn, ſo würde es als wenigſtens überflüſſig ſtören, dieſen noch näher durch„einzig“ zu beſtimmen, da wäre ſein Einzigſein doch ſelbſtverſtändlich.
Dagegen war letzteres für Jeſus Chriſtus als ge⸗ ſchöpflichen Sohn Gottes hervorzuheben mit Rückſicht auf noch weitere anders geſtellte Kinder Gottes, mit Rückſicht namentlich auf die übrigen Menſchen, die nur durch ihn als Mittler in Gottes Kindſchaft gelangen können. Das würde auch anzunehmen ſein, wenn das„einzig“ des Apoſtolikums ganz gleich zu nehmen wäre mit dem„eingeboren“ der Jo⸗ hannesſchriften; doch darf auch das nicht einmal geſchehen. So gleich genommen iſt es verſchiedentlich, wie ſchon früh in den dem Apoſtolikum nachgefolgten Symbolen, ſo noch in jüngſter Zeit bei Uebertragungen des griechiſchen Bibeltextes der Johannesſchriften, ſo auch in verſchiedenen deutſchen Ueber⸗ tragungen des Apoſtolikums, die anſtatt„einzig“„einge⸗ boren“ ſetzen; doch iſt dabei folgendes unbeachtet gelaſſen. Das„einzig“ zu„Sohn Gottes“ im Apoſtolikum iſt wört⸗ lich nicht ſchriftgemäß, ſinngemäß dagegen beſtens zutreffend, wenn es— und nur dies kann als das Richtige angeſehen werden— als eine Zuſammenfaſſung genommen wird von den hier bibliſch vorausſtehenden drei Bezeichnungen des Sohnes, der johanneiſchen„eingeborner“ und der pauli⸗ niſchen beiden„erſtgezeugter(oder: erſtgeborner)“ und „eigener Sohn“.— Dies Verhältnis des Sohnes, und wie dadurch der Gottheit Chriſti in keiner Weiſe Abbruch geſchieht, iſt des nähern bereits verfolgt in den vorausge⸗ ſchickten Erörterungen— vgl. insbeſondere Deutſcher Merkur Jahrg. 1898 S. 3— 5. 12— 13. 18— 19 u. 26—28.
Die fernere Beſtätigung bringt das Apoſtolikum darin, wie es Jeſus Chriſtus, den einzigen Sohn Gottes, ſofort weiter vorführt, nämlich als:
unſern Herrn. 1


