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Johann Kaspar Goethe als Gießener Doktorand / von Dr. Reinhard Frank, Professor der Rechte in Gießen
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Zug zu dem Doktorſchmauſe begibt. Jetzt folgt der neu kreiierte Doktor, inmitten zweier älteren Träger der gleichen Würde, unmittelbar den Knaben und Pedellen. Daß die Fackeln nun brennen, dürfen wir als ſelbſtverſtändlich annehmen.*)

Es liegt in der Natur der Dinge, daß ein derartig weit⸗ läufiger und theilweiſe prunkvoller Akt mit hohen Koſten ver⸗ knüpft war. Nach den Statuten von 1629 beträgt das eigent⸗ liche Honorar 25 Goldgulden, dazu kommen aber noch zahlreiche Gebühren an einzelne Bedienſtete, die Koſten des Drucks, des Doktorſchmauſes und ſonſtiger Bewirthung. So mußten z. B. während des öffentlichen Examens den Profeſſoren zwölf Maß Rheinweins und Weizenkuchen, den Pedellen aber ein Humpen Weins geſpendet werden. Dieunſchuldigen Herolde, d. h. die Fackeln tragenden Knaben, erhielten für einen Thaler Zucker, waren ſie aber, wie üblich, Profeſſorenſöhne, anſtatt deſſen auch. eine kleine Bewirthung. Gegen übertriebenen Luxus beim Doktorſchmauſe richtete ſich gelegentlich eine landgräfliche Ver⸗ ordnung. Namentlich ſollten nach einer in den Statuten aus⸗ drücklich beſtätigten Verordnung von 1628 nicht mehr als dreißig Perſonen eingeladen werden. Indeſſen ſcheint man es mit der Befolgung dieſes Befehls nicht zu ſtreng genommen zu haben. Denn eine erhaltene Rechnung aus dem Jahre 1665 ergibt, daß der Theilnehmer bei einem Schmauſe ſiebenund⸗ vierzig waren, daß das Feſt ſich am folgenden Tage fortſetzte und daß ſich die Koſten trotz der ſehr niedrigen Preiſe der ein⸗ zelnen Gerichte auf 41 Thaler ſtellten. Nach einer Notiz an anderer Stelle war im achtzehnten Jahrhundert die Gießener Doktorwürde, wenn ſtatutgemäß verliehen, nicht unter 400 500 Reichsthalern zu erwerben.

Hierdurch erklärt ſich zweierlei: einmal, daß ſich die Kandi⸗ daten häufig, um Koſten zu erſparen, zu einheitlicher Promotion zuſammenthaten, ſodann, daß man ſich von den koſtſpieligen Formalitäten ſo viel als möglich zu befreien ſuchte. Dies letztere wurde dadurch erreicht, daß man einen landgräflichen Dispens von der öffentlichen Promotion erwirkte. Unſer Goethe hat ſowohl das eine wie das andere gethan: er hat ſich mit dem Osnabrücker

*) Der Vorgang iſt hier in ſeiner typiſchen Geſtalt geſchildert, im Einzelnen varriiert er bei den verſchiedenen Fakultäten. Ueber die Bedeutung der Symbole ſ. Itter a. a. O. p. 317, 318, außerdem etwa Meiners, Geſchichte der Entſtehung und Entwicklung der hohen Schulen. 2. Bd. Göttingen 1803 S. 312. Heutzutage nähert ſich wohl der Bonner Ritus am meiſten dem früherer Jahrhunderte.