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ſich der Zug. An ſeiner Spitze gehen Trompeter, dann folgen Knaben mit nicht brennenden Fackeln, darauf ein Knabe, der ein Buch mit einem Paar Handſchuhe trägt, alsdann die Pedellen mit den Sceptern, endlich die Profeſſoren, die Gäſte und der Kandidat. Der letztere geht an der linken Seite des jüngſten Profeſſors ſeiner Fakultät. Sobald der Zug in dem Auditorium angelangt iſt, beſteigt der Promotor das höhere, der Promovend das niedere Katheder. Es ertönt Geſang und In⸗ ſtrumentalmuſik. Darauf hält der Promotor eine Rede aus dem Gebiete ſeiner Wiſſenſchaft. Dann ſpricht er über den Kandidaten, ſeine Heimath, ſeine Eltern, ſeine Studien, ſeine Frömmigkeit, ſeine Gelehrſamkeit(bei einem Theologen auch über ſeine Recht⸗ gläubigkeit), ſeinen Fleiß, ſeine Beſcheidenheit, ſeinen Lebenslauf, ſeine Fortſchritte in der Wiſſenſchaft, ſeine beſtandenen Prü⸗ fungen und Disputationen. Der Promotor ermahnt die An⸗ weſenden, nicht an der Gelehrſamkeit des Kandidaten zu zweifeln, und fordert nunmehr einen Knaben auf, eine Frage an dieſen zu richten. Der Knabe erhebt ſich, ſtellt die Frage und während der Kandidat antwortet, überreicht in ſeinem Namen einer der Studenten, die Tags zuvor eingeladen haben, dem Promotor das Buch und die Handſchuhe unter Dank für die Mühe⸗ waltung. Sobald der Kandidat die Frage des Knaben beantwortet hat, erklärt der Promotor, daß der Vollzug der Pro⸗ motion nicht in ſeiner, ſondern in des Kaiſers und des Land⸗ grafen Macht ſtehe. Er geleitet nunmehr den Kandidaten zu dem Prokanzler als deren Vertreter, der Kandidat kniet nieder, und der Prokanzler ertheilt unter Segenswünſchen die Erlaubniß zur Pro⸗ motion. Nachdem ſich der Kandidat auf Geheiß des Promotors erhoben hat und auf ſeinen Platz zurückgekehrt iſt, leiſtet er den Doktoreid auf die Scepter der Univerſität. Dabei erheben ſich alle Anweſenden. Erſt jetzt findet die eigentliche Verleihung der
Doktorwürde unter Ueberiragund der Privilegien ſtatt. Dieſer wichtigſte Akt iſt nicht nur mit Dankſagung an Gott, den Kaiſer und den Landgrafen, nicht nur mit Ermahnung des Kandi⸗ daten, dieſen die Dankbarkeit ſtets zu bewahren, ſondern auch mit einer Reihe ſymboliſcher Vorgänge ausgeſtattet, die jedoch in den Statuten nur angedeutet werden. Auf Geheiß des Pro⸗ motors beſteigt der Kandidat das höhere Katheder, ein Buch wird ihm zuerſt geſchloſſen überreicht, dann geöffnet, der Doktor⸗ hut wird ihm aufgeſetzt, ein goldener Ring an den Finger ge⸗ ſteckt, ein Kuß des Promotors nimmt ihn in den Orden der Ge⸗ lehrten auf und die Ueberreichung einer Wachskerze bildet den Abſchluß. Es ertönt wieder Muſik, unter deren Kläugen ſich der


