10
Deo iuvante*) die Abhandlung vertheidigen werde, gedruckt D Oet. MDGCXXXVIII: der Tag ſollte noch ausgefüllt werden. Doch die Promotion wurde, wir wiſſen nicht wodurch, etwa wegen Erkrankung, verſchoben. Senckenberg's beigefügter Wid⸗ mungsbrief iſt vom 15. December: erſt drei Tage ſpäter wurde Kaspar als Juris utriusque Doctorandus immatrikulirt; die feierliche Promotion Kaspars und zugleich des Osnabrückers Juſtus Eberhard Berghoff, der am 11. Auguſt als Doctorandus immatrikulirt worden war, fand am 30. December ſtatt.“
Dieſe Mittheilungen beruhen im Weſentlichen auf Angaben des Kuſtos an der Gießener Univerſitätsbibliothek Dr. Ebel, der ſie den Akten entnommen hat. Aber die von Düntzer aus⸗ geſprochene Vermuthung, daß die Verzögerung der Promotion ſich durch Krankheit erkläre, wird wohl nicht zutreffen. Vielmehr ergeben die mit Hilfe des Univerſitätsſekretärs Schäffer auf⸗ gefundenen Reſte der Promotionsakten einen andern Grund. Um ihn verſtändlich zu machen, muß ich etwas weiter ausholen.
Wie auf den meiſten Univerſitäten, ſo war auch in Gießen die Promotion während der vergangenen Jahrhunderte ein ſehr langwieriger und komplizierter Vorgang. Nach der formellen Zulaſſung fand zunächſt eine öffentliche Disputation ſtatt, über die ich bereits oben einige Mittheilungen gemacht habe. Darauf folgte in der juriſtiſchen Fakultät die anſcheinend ſchriftliche
Interpretation einer Stelle aus dem corpus iuris civilis und einer weiteren aus dem corpus iuris canonici; alsdann ein Examen vor der Fakultät und dem Rektor in der Dauer von 3 bis 4 Stunden; hierauf ein öffentliches vor allen Profeſſoren der Univerſität und dann erſt der feierliche Promotionsakt. Bei theologiſchen Kandidaten mußte ſich eine Predigt in der Kirche zwiſchen das öffentliche Examen und den Promotionsakt ein⸗ ſchieben.
Dieſer letztere wurde feierlich vorbereitet und feierlich voll⸗ zogen.
An dem voraufgehenden Tage begaben ſich zwei Studenten, von denen wenigſtens einer in höheren Semeſtern ſtehen ſollte, unter Vortritt der die Scepter tragenden Pedellen zu den Pro⸗ feſſoren und Gäſten, um ſie feierlich zu dem Akte und dem Doktorſchmauſe einzuladen. Die Promotion mußte ſtets an einem Donnerſtage(Tag des Jupiter) ſtattfinden. Auf ein mit der Glocke gegebenes Zeichen treten die Profeſſoren, der Kan⸗ didat und die Gäſte in das Haus des Promotors. Hier ordnet
*) Richtiger: Jove(a) iuvante.


