Diſſertation, ſo fragte ſich doch: wo ſind ſie? Thatſächlich ſind ſie weder mit der Diſſertation abgedruckt, noch auch ſonſt auf der Gießener Bibliothek oder in den Promotionsakten zu finden. Ferner! Wenn ein Doktorand nur„Theſen“ im heutigen deutſchen Sinne des Wortes einzureichen braucht, was in aller Welt ſoll ihn dann veranlaſſen, ſich außerdem eine Abhandlung von 172 Seiten irgendwoher zu verſchaffen und auf eigene Koſten drucken zu laſſen?
Was das„A“ in jener Randnotiz bedeutet, bleibt alſo un⸗ gewiß. Mag es ſich durch einen Schreibfehler oder auf irgend welche andere Weiſe erklären; auf keinen Fall darf es uns ver⸗ anlaſſen, die unter dem Namen Joh. Kaſp. Goethe'’s bekannte Diſſertation auf einen der Brüder Senckenberg zu übertragen. Hat auch Heinrich Chriſtian, der 1738 vom Göttinger Extra⸗ ordinarius zum Gießener Regierungsrath und ordentlichen Pro⸗ feſſor ernannt worden war, vielleicht dem Doktoranden mit ſeinem Rath zur Seite geſtanden, ſo bleibt dieſer doch immer der Verfaſſer ſeiner Diſſertation, umſomehr, als das Gratulations⸗ ſchreiben Senckenberg's einzelne polemiſche Bemerkungen gegen den Inhalt der Abhandlung aufweiſt.
Die Vorgänge bei der Promotion.
Als Johann Kaspar Goethe 1738 die Würde eines Doctor iuris utriusque erlangte, ſtand er bereits im 29. Lebensjahre. Schon am 9. September 1730 war er in Gießen immatrikulirt worden, hatte ein Jahr ſpäter die Uni⸗ verſität Leipzig bezogen, ſich, wie man annimmt, drei Jahre dort aufgehalten, war dann nach Frankfurt zurückgekehrt, darauf zur praktiſchen Ausbildung bei einem Prokurator des Kammer⸗ gerichts nach Wetzlar gegangen, um ſich ſchließlich wieder der Vaterſtadt Frankfurt zuzuwenden.
Dieſe Notizen ſind Heinrich Düntzer’s Buch„Goethe'’s Stammbäume“(Gotha 1894) entlehnt. Ueber die Promotion ſchreibt derſelbe Verfaſſer(S. 112, 113) Folgendes:„Auf dem Titel der Abhandlung iſt als Tag, an welchem er(Goethe)


