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Aus dem Archiv der Universität Gießen : I. Zur Geschichte des alten Marburg-Gießener Universitäts-Stipendien / von Oberbibliothekar Dr. H. Haupt
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gehaltenen Vorträgen. 126

bilien, als auch an Renten und Gefällen. Gebaut wurde vor allen Dingen Getreide, dann aber auch Obſt und Wein. Viehzucht, be⸗ ſonders Schafzucht, wurde gleichfalls betrieben. Was ein Kloſter an liegendem Gut nicht ſelbſt bebaute oder benutzte, verpachtete es vor⸗ zugsweiſe nach Landſiedelrecht(kündbare Pacht auf unbeſtimmte Zeit), ferner auf Zeit und ſeltener nach Erbrecht. Die öconomiſche Leitung des Geſammtbeſitzes lag in der Hand des Kellermeiſters, der dem Abt jeden Monat Rechnung ablegen mußte.

Waren die Ciſtercienſerklöſter für unſere Gegend in wirthſchaft⸗ licher Beziehung von Bedeutung, ſo übten ſie auch durch ihre Kunſt⸗ erzeugniſſe z. B. die Kirche zu Arnsburg, erbaut im ſog. Ueber⸗ gangsſtil auf der Schneide des XII. und XIII. Jahrhunderts, ſowie die obenerwähnten Holzſchnitzereien zu Marienborn auf den Kunſtgeſchmack unſerer Vorfahren ganz gewiß großen Einfluß aus, ebenſo wie durch die Erziehung, die junge adlige Damen in den Nonnenklöſtern genoſſen, ein gewiſſer Grad höherer Bildung in die Adelsfamilien der Gegend gebracht wurde.

2) Ein im 19. Jahrhundert ausgegangenes Dorf im Vogelsberg. Vortrag von Herrn Drogiſten Otto Schaaf.(25. Februar 1892.) Abgekürzter Auszug.

Zwiſchen Büdingen und Gedern etwa 10 Minuten in nordöſt⸗ licher Richtung von Wenings, liegt das kleine Gehöft Wernings, Eigentum des Grafen von Laubach, bewohnt von Revierförſter Fran⸗ ziscus. Die Gebäude verraten ein hohes Alter, auch ſind knappe Ueberreſte einer Kapelle vorhanden. 1285, 21. Oktober, übergab der Krieger Eckehardus aus Felsberg Wernings den frommen Brüdern des ſog. Johannishauſes in Grebenau. 1351, 7. Juni, errichtete Hermann Herr von Lyesberg zu Wernings die Marienkapelle. 1356, 12. März, Dither Probſt und das Konvent des Kloſters auf dem Petersberg bei Fulda verkaufen an Heinrich von Iſenburg ihr Dorf Wernichis(Wernings) für 50 Pf. hell. Fft. Wehr. D.(= ca. Mk. 1200). 1482, 30. November, Graf Ludewig von Yſenburg⸗Büdingen präſen⸗ tiert den Johannes Nithard zu der Marienkapelle in Werns(nahe bei Wennings gelegen) ꝛc.

Ende der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts bekamen die Dorf⸗ bewohner von Wernings Luſt nach Nordamerika auszuwandern. Ver⸗ gebliche Verſuche wurden in den Jahren 1840 und 1841 gemacht. Von