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Aus dem Archiv der Univerſität Gießen.
Aus dem Archiv der Aniverſität Gießen. J. Zur Geſchichte der alten Marburg⸗Gießener Aniverſitäts⸗Stipendien.
Von Oberbibliothekar Dr. H. Haupt.
Noch vor der definitiven Gründung der Univerſität Marburg hatte Landgraf Philipp der Großmüthige in der Homberger Kirchen⸗ ordnung vom 20. October 1526 den Gedanken ausgeſprochen, für die Unterſtützung dürftiger Studirenden an der künftigen Hochſchule ſeines Landes Veranſtaltungen zu treffen. ¹) Der Plan wurde durch den Freiheitsbrief des Landgrafen vom 31. Auguſt 1529 verwirk⸗ licht, in welchem der Landgraf erklärt, daß er etliche Studenten in Marburg unterhalten und dieſelben mit jährlichen Stipendien ad studia ziehen und kaufen laſſen wolle, um ſo zum Beſten des Landes gelehrte, geſchickte und gottesfürchtige Leute, Prediger und Amtleute zu pflanzen und aufzuziehen.²) Die Mittel für die Be⸗ gründung der Stipendiatenanſtalt, über deren Einrichtung jener Freiheitsbrief eingehende Beſtimmungen trifft, hatten die in den Dörfern, Flecken und Städten der Landgrafſchaft vorhandenen kirch⸗ lichen Lehen, Altarſtiftungen und ſonſtigen geiſtlichen Beneficien von größerer Bedeutung, welche die Durchführung der Reformation ver⸗ fügbar gemacht hatte, zu liefern. Dieſe Beiträge bereit zu ſtellen, ¹) Schmincke, Monim. Hass., II, 588 ff., darnach Br. Hildebrand, Ur⸗ kundenſammlung über die Verfaſſung und Verwaltung der Univerſität Marburg unter Philipp dem Großmühtigen(1848), S. 2. Ueber das Stipendienweſen an den Univerſitäten Marburg und Gießen überhaupt vgl. Ch. Fr. Ayrmann, De rei stipendiariae in Giessensi academia ortu... et statu praesenti. Programma. Giessae. 1745; Mich. Conrad Curtius, Geſchichte des Stipendiatenweſens zu Marburg. Programm. Marburg 1781; Carl Wilh. Robert, Nachricht von dem Unterricht, den die auf der hieſigen Univerſität ſtudirenden Theologen und beſonders die Stipendiaten empfangen. Marburg. 1772. M. Baumgart, Die Stipendien und Stiftungen an allen Univerſitäten des deutſchen Reichs(1885) S. 326 ff. Ein Verzeichniß der bis auf die jüngſte Zeit gegründeten Gießener Stipendienſtift⸗ ungen enthält das Heſſiſche Kirchenblatt Jahrg. II.(1892) Nr. 25 S. 223 f.
²) Hildebrand a. a. O. S. 12 f.
Mittheilungen des Oberheſſiſchen Geſchichtsvereins IV.


