128 Auszüge aus den in den Sitzungen
1841 an ging das Dorf für die Summe von fl. 110,000 in Beſitz des Grafen von Laubach über. Die Bewohner ſtellten jede Arbeit ein und tröſteten ſich vorläufig mit dem Gedanken, auswandern zu wollen. Durch Unthätigkeit mißmutig geworden, ſahen ſich die Bauern großen Verlegenheiten ausgeſetzt und in der Verzweiflung riefen ſie die Hilfe der Regierung an. Von dieſer wurde das Kreisamt Büdin⸗ gen mit der Auswanderungsangelegenheit betraut.
Graf Laubach hatte nach Abzug der geleiſteten Stückzahlungen, von denen die Bauern einſtweilen lebten, noch 55,681 fl. 31 kr. zu zahlen und 14 fl. 49 ¾ kr. waren noch in der Gemeindekaſſe. Hier⸗ von bekamen 10 Einwohner je 1476 fl. und der geringſte Anteil war 106 fl. 12 kr. Für neu zu erwerbenden Beſitz war der untere Theil von Illinois vorgeſehen, wozu die Fahrt über New⸗Orleans genommen werden mußte.
In Illinois koſtete Kongreßland 1 Acre ca. 1 ½ Doll.(ſpan. Thaler), nach unſeren heutigen Werten l heſſ. Morgen ca. 3 Mk. 90 Pf.
Nachdem die Werningſer nochmals durch Namensunterſchrift ihre Auswanderung erklärten, wurden ſie am 30. Auguſt 1842 aus dem heſſiſchen Unterthanen⸗Verband entlaſſen. Der Großh. Heſſiſche Konſul J. F. Sauer zu Bremen wurde vom Heſſiſchen Miniſterium beauftragt, für die Auswanderung die nötige Hilfe zu leiſten. Es war vorgeſchrieben, die Auszahlung der Gelder erſt bei Eingang des Schiffes in See vorzunehmen. Als Geldſorte wurden 5 Francs⸗ und 20 Francs⸗Stücke gewählt, da ſolche in Amerika mit Gewinn zu begeben waren.
Die Summe von 26,600 fl. durch Wechſel nach Bremen zahl⸗ bar in 5 Francs⸗Stücke zu überweiſen, war nicht möglich, da 8205 Stück 5 Francs zur Auszahlung kamen. Es wurde daher die Geld⸗ ſumme in genannter Münzſorte in Fäſſer verpackt von Ph. Nic. Schmidt, Frankfurt a. M., durch die Poſt nach Bremen geſchickt. Die Sendung hatte ein Gewicht von 636 ½ Pfund. Trotz des hohen Portos wurde doch nach Abzug desſelben durch den Cours der 5 Francs⸗-Stücke ein Gewinn von ca. 300 fl. erzielt(1842 koſteten von Frankfurt nach Bremen 25,000 fl.= 236 fl. Porto = 403 Mk. 56 Pf., heute koſtet die gleiche Summe in gleichem Gewicht 42,750 Mk. 59 Mk. 75 Pf.(eine Porto⸗Differenz von 343 Mk. 81 Pf.).


