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Aus dem Archiv der Universität Gießen : I. Zur Geschichte des alten Marburg-Gießener Universitäts-Stipendien / von Oberbibliothekar Dr. H. Haupt
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gehaltenen Vorträgen. 125

aber noch eine Zeit lang verborgen bleiben. Nach dem Kriege wurde das Kloſter in Prozeſſe mit dem Hauſe Solms verwickelt, das die Landeshoheit über dasſelbe beanſpruchte. Der Entſcheid fiel zu Gunſten des Kloſters. Der ſiebenjährige Krieg hatte gleichfalls Raub und Brand im Gefolge. Aufgehoben wurde das Kloſter durch den Reichshauptdeputationsſchluß im Jahre 1803.

Die drei übrigen Ciſtercienſerklöſter in Oberheſſen ſind Nonnen⸗ klöſter. Die erſte Stiftung von dieſen iſt Marienborn, ſüdyveſtlich von Büdingen. Urſprünglich eine freie Congregation einiger Jungfrauen zur Führung eines gottgefälligen Lebens im Haag(Houc) bei Büdingen, wurde es 1250 von Ludwig von Yſenburg und ſeiner Gattin Heil⸗ wigis von Büdingen zu einem Kloſter erhoben und dem Ciſtercienſer⸗ orden übergeben. Wegen Waſſermangels ſiedelte der neue Convent jedoch noch vor 1274 nach Niedernhauſen über und nannte ſein Kloſter erſt von jetzt ab Marienborn. Durch reiche ihm dargebrachte Güter⸗ ſchenkungen emporgeblüht, konnte der Convent der einreißenden Sit⸗ tenverderbniß nicht entgehen, ſo daß ſich Erzbiſchof Diether von Mainz genöthigt ſah, 1460 eine Reformation des Kloſters vorzu nehmen. Seit dieſer Zeit hob ſich ſein Glanz von neuem. Neu⸗ bauten wurden vorgenommen und mit koſtbaren Holzſchnitzereien ver⸗ ſehen, löſte ſich der Convent ſchon 1559 auf.

Faſt gleichzeitig mit Marienborn entſtand das Kloſter Engel thal bei Altenſtadt, das 1268 von den Brüdern Conrad, Ruprecht und Herden von Büches und Ruprecht von Carben, Burggraf von Friedberg gegründet wurde. Obgleich mit Güterſchenkungen gerade nicht überſchüttet, erwarb Engelthal doch mit der Zeit einen recht anſehnlichen Beſitz. Es wurde 1302 von Kaiſer Albrecht, 1345 von Kaiſer Ludwig in den Schutz des Reiches genommen. In einen Subſidienſtreit mit Mainz, ähnlich wie Kloſter Arnsburg verwickelt, wurde es von Erzbiſchof Heinrich mit dem Bann belegt, auf Ver wendung des Abts von Arnsburg aber einige Monate ſpäter wieder von demſelben erlöſt. Mit dem Ende des XV. Jahrhunderts ſcheint eine Verarmung des Kloſters begonnen zu haben, denn die Güter⸗ verkäufe mehren ſich von da ab und 1417 verſetzte der Convent ſogar eine Bibel für 63 Gulden. Im Jahre 1521 ſtellte ſich Engel⸗ thal unter den Schutz der Burg Friedberg, ein Schritt, der 1580 wiederholt wurde. Um dieſe Zeit kam der für das Räuberweſen der damaligen Zeit ſehr bezeichnende Fall vor, daß ein Nachkomme