der Univerſität Gießen. 115
beitragspflichtige Orte weder Stipendiaten noch Gelder nach Mar— burg geſchickt, Andere ihre Beiträge nur langſam geſandt, Andere dieſelben„den Kindern zu ihren Handen geſtellt, welche alsdann die chriſtliche Handreichung in üppige Kleidung, an Wein oder andere Mißbräuche wenden und übel anlegen“. Der Landgraf er— hebt unwillige Klage darüber, daß„zu einem ſolchen gottſeligen Werk ſo ſchimpflich und gar mit keinem Eifer noch Ernſt gethan werden will“ und daß eine Anzahl Stipendiaten dem Propſte ſogar das gering bemeſſene Koſtgeld von 15 Gulden ſchuldig geblieben ſei.—)
Die unmittelbar folgenden Wirren des ſchmalkaldiſchen Krieges und die mehrjährige Gefangenſchaft des Landgrafen waren nicht dazu angethan, in den eingeriſſenen Mißſtänden Wandel zu ſchaffen, wenn auch die landgräflichen Statthalter in einer Verordnung vom 12. Juli 1551 die Einhaltung der Beſtimmungen der Stipendiaten⸗ Ordnung eingeſchärft hatten.2) So zog denn Landgraf Philipp gelegentlich ſeines Aufenthaltes in Marburg im Jahre 1557 eine gründliche Neuordnung des Stipendiatenweſens in Erwägung. Damit die einzelnen Beiträge„wieder ganghaftig gemacht und in eine beſtändige Richtigkeit gebracht würden“ und damit man wiſſe, „wie viel man von einem jeden Ort her, ohne allen Abgang oder Verweigerung zu gewarten habe“, wurden mit allen beitragspflich— tigen Ortſchaften und ſonſtigen Inhabern geiſtlicher Lehen im Laufe der nächſten Jahre Verhandlungen gepflogen, deren Ergebniß war, daß dieſelben zur künftigen regelmäßigen Zahlung feſt beſtimmter Beiträge ſich urkundlich verpflichteten. Ein Exemplar dieſer zu Ende 1559 und zu Anfang 1560 ausgeſtellten Verſchreibungen wurden dem landgräflichen Archive, Duplicate der Univerſität Mar⸗ burg übergeben. Nachdem ſo die finanzielle Grundlage der Sti⸗ pendiaten⸗Anſtalt geſichert war, erließ der Landgraf am 15. Februar 1560 für dieſelbe eine neue Verwaltungs⸗ und Studien⸗Ordnung. Deren hauptſächlichſte Neuerung war die Scheidung der Stipen⸗ diaten in 50 Minores und 10 Maiores, von denen die Erſteren ihre Tauglichkeit für die Aufnahme wenigſtens in die erſte Claſſe des Pädagogiums nachzuweiſen hatten und alsdann durchſchnitt— lich ſieben Jahre lang ein Stipendium von 20 Gulden bezogen,
¹) Hildebrand S. 31 ſ. Sammlung fürſtl. heſſ. Landesordn. I, 143 f. ²) Sammlung S. 153 f. 8*


