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Beleuchtung der Bemerkungen des Großh. Hess. Geh. Raths Herrn Dr.A.A.E. Schleiermacher über denjenigen Theil des für die Großh. Hess. Landesuniversität zu Gießen festgesetzten Studienplans, welcher die Candidaten des Gymnasiallehramts aus dem philologischen Gesichtspunkte betrifft. / von Dr. Friedrich Osann, Professor der Beredtsamkeit und Director des philologischen Seminars an der Großh. Hess. Landesuniversität zu Gießen
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der alten Sprachen und des Alterthums ſelbſt als formales Bildungsmittel benutzt wird. Nichts iſt aber in ſeiner Einwir⸗ kung auf die Jugend nachtheiliger, als eine bei dem Halben ſtehen bleibende Unterrichtsweiſe, indem eine ſolche auch nur wiederum ein halbes Wiſſen, Ungründlichkeit und Flachheit er⸗ zeugt, was von der Schule auf die Univerſität verpflanzt, hier bei größerer Freiheit auch noch in größerem Maaße fortwuchert, und endlich in's Leben hinübergetragen, dergleichen verflachte Geſchöpfe dem Staate überliefert, die weder eine Entſchiedenheit der Geſinnung und des Charakters in ſich auszubilden verſtan⸗ den, noch ſonſt ſich über die gewöhnlichſten Anforderungen des Staats zu erheben vermögen. Es kommt bei allem Unterricht, vornehmlich aber dem Gymnaſialunterricht, weit weniger darauf an, was, ſondern wie jedes gelehrt werde, und man kann vieles lernen, ohne etwas zu wiſſen.

Wenn nun der angeblichen Einſeitigkeit, die durch die Be⸗ ſonderheit des Gymnaſiallehrerſtands hervorgerufen werde, durch eine Wahl der Lehrer aus ſolchen Individuen, nach Hrn. Schl. S. 46, begegnet werden kann, welche theologiſche und philologiſche Studien mit einander verbunden haben, wie dieß ehemals mit dem beſten Erfolg geſchehen ſei, ſo wird dieſe Behauptung ledig⸗ lich als ein Erfahrungsſatz aufgeſtellt, da warum zur Comple⸗ tirung der Studien eines Gymnaſiallehrers zur Philologie gerade die Theologie auserwählt ſei, nicht angegeben wird, man aber bei dem heutigen Stande der theologiſchen Studien, deren Be⸗ handlungsweiſe hier und da leider Verdummung zum Ziel oder doch zur Folge hat, ehe man der Theologie eine Einwirkung auf den Gymnaſialunterricht geſtattet, wohl berechtigt, ja ver⸗ pflichtet ſein würde, nach der Farbe des herbeizuziehenden Theo⸗ logen zu fragen, eine Frage, die freilich in den früheren, ge⸗ prieſenen Zeiten von geringem, oder keinem Belang war, jetzt aber unabweislich entgegentritt, wenn der Jugendunterricht über⸗ haupt ſeinem Zwecke nach nicht blos die intellektuelle Seite im Menſchen in's Auge faſſen, ſondern eine gleichmäßige Ausbildung des ganzen Menſchen nach allen ſeinen Kräften und Anlagen zu

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