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In der katholiſchen Kirche lagen dagegen weit mehr Gründe vor, beide Wiſſenſchaften, wenn man ſie auch geſondert behandeln konnte, doch als weſentlich einerlei zu betrachten; denn ſo wie dieſes nicht mehr der Fall war, ſtand der Bildung neuer Parteien, die ſich von dem Mittelpunct der katholiſchen Einheit losreißen moch⸗ ten, kein Hinderniß mehr entgegen. Den gelehrten Theo⸗ logen des Mittelalters hatte man in der Discuſſion über die Glaubenslehren, in einer oft weit ausgedehnten Spe⸗ culation darüber meiſt große Freiheit gelaſſen; der Rö⸗ miſche Hof, der ſich in ſeinen Intereſſen dadurch nicht berührt ſah, kümmerte ſich gewöhnlich nur dann darum, wenn man ihn durch das Anrufen ſeiner Autorität dazu nöthigte. Höchſt ungern aber machte er in den meiſten Fällen den Schiedsrichter zwiſchen den ſtreitenden Par⸗ teien, da zu den Zeiten der Scholaſtiker eine jede dog⸗ matiſche Meinung gewöhnlich von einem der ubermäch⸗ tigen Mönchsorden mit allem Eifer ergriffen und ver⸗ theidigt, und von dem anderen beſtritten wurde, mit deren keinem es die Curie wagen durfte zu verderben. Bitter hatte ſie es aber mehrere Male zu bereuen, wenn ſie ſich von einem derſelben, oder auch ſpäter von einem durch ſeinen Beichtvater mißleiteten katholiſchen Fürſten bewegen ließ, an ſolchen Streitigkeiten Antheil zu nehmen oder ſie entſcheiden zu wollen, und ſie ſetzte ſich da⸗ durch mehrere Male den empfindlichſten Kränkungen aus.
Die ſymboliſchen Schriften der katholiſchen Kirche ſind die Beſchlüſſe des Tridentiner Concils, das Triden⸗ tiniſche Glaubensbekenntniß und der Römiſche Catechis⸗ mus. Das Tridentiner Concil wurde nicht in allen ka⸗ tholiſchen Ländern angenommen, obgleich man ſich ſpäter wohl uberall auf ſeine Autorität berief, ebenſo wie unter den Lutheranern auf die Concordienformel. Grundſatz war es auf dem Concil geweſen, in den innerhalb der katholiſchen Kirche ſtreitigen Glaubenslehren keiner der


