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Bemerkungen über den Studienplan für die Grossherzoglich Hessische Landesuniversität zu Giessen / von Dr. A.A.E. Schleiermacher, Großh. Hess. Geh. Rath.
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riſche oder Erfahrungsſeelenkunde. Sie iſt eine Wiſſen⸗ ſchaft, welche in dem Verhältniß als ſie tiefer in die ein⸗ zelnen Gegenſtände, die ſie zu behandeln hat, eingeht, ein gereifteres Urtheil verlangt. Für den Theologen bildet ſie in jeder Beziehung die Ergänzung der Moral, theils einleitend, indem ſie die verſchiedenen Seelenzuſtände be⸗ ſchreibt, die im nächſten Zuſammenhang mit den Moral⸗ pflichten ſtehen, theils eigentlich ergänzend durch die Dar⸗ ſtellung aller der Vorgänge in der Seele, wodurch die menſchlichen Gefühle, Leidenſchaften und Handlungen er⸗ regt oder modificirt werden. Es möchte alſo gar nichts dagegen zu erinnern ſeyn, wenn die Pſychologie ſtatt in dem erſten in einem der letzten Semeſter um dieſelbe Zeit wie die Moral gehört würde.

Völlig einverſtanden mit der Stellung der Einleitung in das Alte und Neue Teſtament, der bibliſchen Kritik und Hermeneutik in die erſten Semeſter, der Vertheilung der Kirchengeſchichte auf drei halbe Jahre, da mit weniger ordentlicher Weiſe gar nicht ausgereicht werden kann, möchten wir dagegen Jedem, der ſich zu ernſtlichem Stu⸗ dium geeignet fuͤhlt, in Bezug auf die alt⸗ und neuteſta⸗ mentliche Exegeſe einen von dem vorliegend ertheilten Rath abweichenden Vorſchlag machen. Füͤr jedes der ſechs Semeſter finden ſich Exegeſe über das Alte und über das Neue Teſtament angeſetzt, obgleich mit der Be⸗ merkung, daß es nicht nöthig ſey, ſie alle zu hören. Da⸗ gegen iſt gar nichts einzuwenden. Einen gewiß ſicheren Weg wird aber der einſchlagen, der gleich vom Beginn ſeiner Univerſitätsjahre an das Alte Teſtament mit täg⸗ licher Verwendung von ein Paar Stunden in der ÜUrſprache zu leſen anfängt und damit bis zu deſſen Ende fortfährt, ebenſo auch ſeinen neuteſtamentlichen Curſus macht. Wenige Vorleſungen über Exegeſe genügen ihm dann, ihn mit der gewöhnlichen Behandlung dieſer Wiſſenſchaft bekannt zu machen, und er wird durch eigenes, von wenigen guten