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Bemerkungen über den Studienplan für die Grossherzoglich Hessische Landesuniversität zu Giessen / von Dr. A.A.E. Schleiermacher, Großh. Hess. Geh. Rath.
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zu philoſophiren, beſchränkt, ſo gewann man dieſer ent⸗ weder neue Seiten ab, in Bezug auf welche noch keine Beſchränkung ſtattgefunden hatte, oder man wendete die Speculation andern Lehren zu, ſo daß ſich mit der Zeit aus dem anfänglich einfachen Chriſtenthum ein weit aus⸗ gedehntes Gebäude oft recht abweichender religibſen An⸗ ſichten entwickelte, die auch innerhalb der Normen kirch⸗ licher Autorität einen immerhin noch ſehr weiten Spiel⸗ raum zu gelehrten Streitigkeiten offen ließen. Einen Theil der Theologen ſehen wir daher von jeher der Philoſophie abhold, wegen des vielen Mißbrauchs, der mit ihr zum Nachtheil der Religion getrieben worden war; andere ver⸗ theidigten ihre Anwendung auf die Theologie, und noch andere identiſirten ſie mit derſelben, oft ſich ſelbſt nicht bewußt, daß das, was ſie fuͤr die chriſtliche Lehre aus⸗ gaben, weit über deren Gränzen hinausgehe. Eine neue Philoſophie reinigte ſpäterhin die chriſtliche Theologie von einem großen Theil der Lehrſätze, die ſie im Laufe der Jahrhunderte in ſich aufgenommen hatte; die verſchieden⸗ artigſten Verſuche wurden gemacht, beide Wiſſenſchaften in völlige Uebereinſtimmung zu bringen, Verſuche, die zum Theil mit der Ueberzeugung endigten, daß ſich die Lehrſätze der einen oder andern Schulphiloſophie mit faſt gleichem Erfolg gegen das Chriſtenthum als zu ſeinen Gunſten anwenden ließen. Und ein anderes Reſultat konnte eine Philoſophie auch nicht wohl darbieten, die als einziges und höchſtes Erkenntnißprincip die menſchliche Vernunft betrachtet, und eine göttliche Offenbarung nur in ſo fern anerkennen will und darf, als dieſe mit jener in allem übereinſtimmt, und auch nicht über ſie hinausgeht.

Soll nun der Theologe durch die Philoſophie einen Theil ſeiner Bildung erhalten, ſo muß dieß wohl eine Philoſophie ſeyn, die in ihren Grundſätzen nicht der chriſt⸗ lichen Theologie negirend entgegentritt; eine Forderung, die leichter geſtellt, als in ihrer Ausfuͤhrung überwacht