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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
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krankheit befallen wurden. Wir mußten uns deshalb alle oben auf Deck aufhalten, wo das Schwanken des Schiffes nicht ſo ſtark bemerkbar wurde. Aber ſchon gegen Mittag heiterte ſich der Himmel wieder auf. Der Sturm ließ nach und die See wurde allmählich ruhig. Um 2 Uhr paſſier⸗ ten wir das erſte holländiſche Feuerſchiff. Unzähliche Fiſcher⸗ boote begegneten uns, deren Inſaſſen uns allen freudig zuwinkten. Wir näherten uns immer mehr der holländi ſchen Küſte und unter brauſendem Hurra fuhren wir gegen 5 Uhr im Hook von Holland ein. Große Menſchenmaſſen hatten ſich an beiden Ufern der Mündung nemnuddn welche uns mit Tücherſchwenken begrüßten. Eine halbe Stunde ſpäter beſtieg ein Lotſe das Schiff, um uns ſicher die Rheinmündung hinauf nach dem Hafen zu bringen. So fuhren wir etwa 2 Stunden, bis wir in den eigent⸗ lichen Hafen gelangten und es war 7 Uhr, als wir an der Kai⸗Mauer anlegten. Trotzdem es bereits dunkelte, war eine große Menſchenmenge dort verſammelt, um uns ein herzliches Willkommen zuzurufen. Wir durften aber das Schiff nicht verlaſſen, ebenſo durfte kein Fremder das Schiff betreten. Noch eine Nacht mußten wir darauf zu⸗ bringen. Am nächſten Morgen um 9 Uhr begann der eigentliche Empfang.

Die Einwohnerſchaft von Rotterdam, der deutſche Geſandte, die Damen vom holländiſchenRoten Kreuz überreichten uns Blumen, ſowie Liebesgaben aller Art und bereiteten uns einen herzlichen Empfang. Auch die bereits hier früher eingetroffenen Kameraden, die in Rotterdam interniert ſind, darunter auch Kapitän von Müller be⸗ grüßten uns in herzlicher Weiſe. Um 10 Uhr konnten wir das Schiff verlaſſen, Wir wurden alle in die in der