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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
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Kabine, aber noch lange konnte man keinen Schlaf finden. Man dachte über die Vergangenheit nach und die erduldete Schmach. Jetzt aber waren wir frei, aber immer noch nicht auf deutſchem Boden. Es ſollte ja nicht mehr all⸗ zulange dauern.

Am nächſten Morgen weckte uns die Dampfſirene etwa gegen 6 Uhr aus unſerem tiefen Schlaf. Es war am 3. Februar. Die Anker wurden gelichtet und bald darauf ſetzte ſich das Schiff in Bewegung. Es war ein herrlicher Morgen. Die See war ruhig und faſt geräuſch⸗ los glitt das Schiff durch die Wellen dahin. Um 7 Uhr ertönte das Zeichen zum Morgenkaffee. Zuerſt gab es Gerſtenbrei in Milch und Zucker gekocht und dann Kaffee, Brot und wieder kalten Aufſchnitt in reichlichem Maße. Verderben konnten wir alſo hier nicht. Bald darauf fand ſich einer nach dem anderen oben auf Deck ein, um die friſche Seeluft genießen zu können. Unſer Schiff fuhr an der Spitze, die beiden anderen folgten in Abſtänden von etwa 2 300 m.

In der Ferne ſah man mehrere engliſche Handels⸗ geleitzüge, welche ſich uns bis zu einem Abſtand von ca. 800 m näherten. Wahrſcheinlich wollten die Engländer inſere Überfahrt auf dieſe Art und Weiſe ausnützen, um ſich vor den U⸗Booten zu ſchützen. Die Fahrt verlief ohne jede weitere Störung. Um 5 Uhr nachmittags gelangten wir am letzten engliſchen Feuerſchiff an und gingen vor Anker. Während der Nacht durfte nicht gefahren werden, auch wurden Fangnetze ausgelegt, um etwaige treibende Minen aufzufangen. Am 4. Februar morgens 7 Uhr wurde die Fahrt fortgeſetzt. Das Wetter war ſchlecht und ſtürmiſch, was zur Folge hatte, daß viele von der See⸗

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