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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
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T EAn ERSSen

Am 2. Juli 1916 marſchierten wir vom Dorfe R. an der Somme ab nach der Front zu und zwar gegen 5 Uhr Nachmittags. Kleinere und größere Trupps engliſcher Gefangenen, die begleitet waren von deutſchen Kavalleriſten, zogen an uns vorüber.. Ein ſonderbares Gefühl erwachte in uns. Wir fragten uns, ob es uns vielleicht auch ein⸗ mal ſo ginge. Wir wußten ja zwar was uns bevorſtand, aber an Gefangenſchaft dachte trotzdem keiner von uns. Die Straßen waren belebt von flüchtenden franzöſiſchen Ziviliſten, welche meiſtens aus der Richtung von P. kamen. Krankenwagen und Krankenautos, welche mit Verwundeten überfüllt waren, ſahen wir an uns vorüberfahren. Unauf⸗ hörlich rollten Artillerie-Munitions⸗Kolonnen und andere Bagagen in geſtrecktem Galopp nach der Front zu. Die umliegenden Dörfer ſtanden in Brand. Selbſt das ſchöne Städtchen P., welches kurz vorher noch unverſehrt daſtand, war nur noch ein rauchender Trümmerhaufen. Unterwegs, kurz vor dem Dorfe F. konnten wir noch ein ſeltſam ſchönes Schauſpiel beobachten. Ein engliſcher Eindecker umkreuzte einen deutſchen Feſſelballon, doch der Engländer ſollte kein Glück haben. Ein deutſcher Doppeldecker vertrieb den Feind alsbald. In dieſem Augenblicke gewahrte er uns und rich⸗ tete ſein Maſchinengewehrfeuer auf uns. Wir ſuchten Schutz

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