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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
Entstehung
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in den Getreidefeldern. Da tauchte plötzlich eine deutſche Fopper⸗Maſchine auf; woher ſie kam, konnten wir nicht feſtſtellen. Sie nahm ſofort den Kampf mit ihrem Gegner auf und ſchon nach einigen Schüſſen der Fopper⸗Maſchine war der feindliche Eindecker in Flammen gehüllt. Ein Inſaſſe ſtürzte aus ſchwindelnder Höhe mit blitzſchneller Geſchwindigkeit in die Tiefe und war nur noch als eine dunkle Maſſe erkennbar. Trotzdem der feindliche Apparat brannte, verſuchte er dennoch zu entkommen, was ihm aber nicht gelang. Er ſtürzte ab und deutſche Kavalleriſten nahmen ihn in Empfang. Die Fopper⸗Maſchine umkreiſte ihren erlegten Gegner noch einige Male und, flog dann weiter, um andere Opfer zu ſuchen. Der Feſſelballon ſtand noch an demſelben Platze und hatte ſich durch den Engländer nicht beirren laſſen.

Wir marſchierten weiter nach dem Dorfe F. zu und wiederum ſahen wir Verwundete an uns vorüberziehen, darunter auch Engländer. Etwa 1 km rechts von uns lag das Städtchen P. Unter den Granaten der ſchweren engliſchen Schiffsgeſchütze fielen die letzten Trümmer vollends zuſammen. Vor dem Dorfe E. machten wir Halt. Hier bekamen wir warmes Eſſen und Kaffee, welches wir mit dem größten Appetit verzehrten. Man tauſchte Adreſſen aus, damit, wenn der eine oder der andere fallen oder ihm ſonſt etwas zuſtoßen würde, der andere ſeine Angehörigen benachrichtigen konnte. Wir trieben noch allerlei Scherze und waren immer guten Mutes, trotz des heftigen Trom⸗ melfeuers, das vor uns tobte. Um 12 Uhr abends erhielten wir den Befehl:Alles fertig machen und abrücken. Die Kompagnien marſchierten in gewiſſen Abſtänden nach den Kampfſtellungen zu. Unterwegs begegnete uns ein

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