Druckschrift 
In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen

Lebensmittelwagen, deſſen Führer uns mit Fleiſchkonſerven beglückte, meiſtenteils engliſche Kriegsbeute. Immer weiter ging es durch verwüſtete franzöſiſche Ortſchaften und Fel⸗ der hindurch, und immer näher ſchlugen die Granaten bei uns ein, ſodaß wir ſchon einige Verluſte zu verzeichnen hatten. Man marſchierte bereits in Reihen geſetzt rechts um. Im Walde wurden die Kompagnien dann mit Hand⸗ granaten und anderer Munition verſehen.

Zerſchoſſene Batterien und Kolonnen, die auf dem Wege lagen, zeigten uns, daß ſie ſchon Schweres hinter ſich hatten. Wir kamen an den Laufgräben an.(Man konnte ja eigentlich nicht mehr von Laufgräben reden, denn es waren nur noch Granat⸗Trichter). Granaten und Schrappnells ſauſten vorüber oder krachten in unſerer Nähe. Meine Kompagnie hatte hier wunderbarer Weiſe keine Ver⸗ luſte zu verzeichnen! Immer näher kamen wir an den Feind heran. Infanterie⸗ und Maſchinengewehrfeuer ver⸗ kündete, daß ein hartnäckiger Kampf im Gange war. Wir kamen an die Schrappnell⸗Mulde. Nur ſprungweiſe und vereinzelt konnte man die gegenüberliegenden Anhänge ge⸗ winnen, denn hier wütete das engliſche Trommelfeuer am ſchlimmſten. Ich ſelbſt überkugelte mich ein paar Mal durch ein Schrappnell, das direkt über mir platzte. Ich befühlte einmal meinen Körper, aber es war alles noch heil.

Die Verluſte waren hier ſchon ſehr merklich und ich hatte ſchon reichlich zu tun, meine verwundeten Kameraden zu verbinden. An einem Abhange links lag mein beſter Freund, ein Sanitätsunteroffizier. Leider war er ſchon tot, als ich ihm Hilfe leiſten wollte. Ich brachte ihn noch in eine einigermaßen geſchützte Stelle. Einige Hilferufe mahnten mich alsdann wieder zur Pflicht. Da ſchon einige

7