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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
Entstehung
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Kameraden von der Sanitätsmannſchaft den Tod fürs Vaterland gefunden hatten, hatte ich die Hände vollauf zu tun. Wir befanden uns in vorderer Kampfſtellung. Es war am 3. Juli gegen 6 Uhr morgens. Die bisherigen Angriffe der Engländer waren mißlungen, und die Gegner beſchränkten ſich nur noch auf unaufhörliches Infanterie⸗ und Maſchinengewehrfeuer. Bald darauf ſetzte die engliſche Artillerie ein heftiges Feuer auf unſere Grä⸗ ben ein, welche dadurch nun vollends in Granat⸗Trichter verwandelt wurden. Gegen 7 Uhr brachen die Engländer wieder aus ihren Stellungen hervor, aber immer wieder wurden die Angriffe abgeſchlagen, trotz der großen Verluſte unſererſeits. Auch die Verluſte des Gegners waren ganz erheblich.

Rechts und links von uns gelang es jedoch dem Eng⸗ länder durchzubrechen. Wir hatten nun eine doppelte Aufgabe. Die 9. und 11. Kompagnie war abgeſchnitten von der 10. und 12. Kompagnie. Nach wiederholten An⸗ griffen der Engländer mußte ſich die 9. und 11. Kompag⸗ nie gegen 9 Uhr morgens ergeben. Da ich nicht in Ge⸗ fangenſchaft wollte, gelang es mir zu entkommen und zwar zu der 10. und 12. Kompagnie. Auch hier erwartete meiner noch viel Arbeit. Die Kompagnien hielten ſich noch immer gegen den hundertfach überlegenen Feind. Durch die entſtandene Lücke gelang es dem Engländer, uns direkt im Rücken zu faſſen. Von allen Seiten erhielten wir Maſchinengewehrfeuer. Trotz der großen überlegenheit des Feindes brachten wir ihm durch unſer Infanterie⸗ und Naſchinengewehrfeuer ganz bedeutende Verluſte bei. Hand⸗ granaten hatten wir keine mehr zur Verfügung. Das kleine Häuflein ſchmolz immer mehr zuſammen. Der ein⸗

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