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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
Entstehung
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zige vorhandene Unterſtand war mit Verwundeten, darunter auch Engländern, überfüllt; aber noch war der Kampf nicht entſchieden.

Links unten im Tale ließ ein tapferer deutſche Schütze ſein Maſchinengewehr unaufhörlich knattern, trotz dem heftigen gegneriſchen Feuer. Sein Leutnant und der an⸗ dere Schütze lagen tot daneben, bis auch ihm eine feindliche Kugel die Schulter zerſchmetterte. Ich verband ihn und brachte ihn in den Unterſtand.(Später traf ich den Mann im Sammellager Brokton, ſeine linke Hand war ſteif und er wurde mit dem erſten Transport ausgetauſcht. Die Freude des Wiederſehens war groß). Bei einem anderen Maſchinengewehr, welches außer Gefecht geſetzt war, fand ich den ſchwerverwundeten Leutnant R. von der 12. Kom⸗ pagnie, welcher einen Kopfſchuß hatte. Ich verband ihn und lud ihn auf meinen Rücken, um ihn nach dem Unter⸗ ſtand zu verbringen. Hier angekommen, konnte ich leider nur noch feſtſtellen, daß auch er den Heldentod fürs Va⸗ terland gefunden hatte. Mittags gegen 3 Uhr drangen die Engländer in unſere Gräben ein. Nach kurzem Handge⸗ menge mußten wir uns ergeben. Ich verſuchte noch einmal zu entkommen, aber umſonſt. Da ich nicht bei den Schwer⸗ verwundeten bleiben durfte, nahm ich mir einige Leichtver⸗ wundete mit und folgte den anderen Kameraden.

Unter den engliſchen Soldaten befanden ſich auch einige Irländer, die uns weiter nicht beläſtigten und uns ſogar Zigaretten und Fleiſchkonſerven anboten. Die Eng⸗ länder dagegen plünderten uns aus. Sie nahmen uns Uhren, Gold, Ringe und alle ſonſtigen Wertſachen ab. Es iſt ſogar vorgekommen, daß engliſche Soldaten deutſchen Gefangenen den Finger abgeſchnitten haben, um Ringe zu

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