ſchiff gebracht wurde. Die Kabinen waren je nach ihrer Größe, mit 2,4 oder 6 Schlafſtellen, ſowie mit allem mög⸗ lichen Luxus ausgeſtattet. Man glaubte ſich in ein Para⸗ dies verſetzt. Da wir durch unſere Kleidung ſehr herunter gekommen ausſahen, wagten wir anfangs nicht, uns darin frei zu bewegen. Erſt auf einen ermunternden Zuruf ſeitens einer Schweſter, entledigten wir uns unſeres Hand⸗ gepäcks und Mantels. An jedem Bett hing ein Rettungs⸗ gürtel. Bald darauf mußten wir uns alle auf Deck ver⸗ ſammeln. Der Schiffszahlmeiſter gab uns einige Anweiſungen über das Verhalten auf dem Schiffe. Rauchen durften wir nur auf Deck, und im Rauch⸗ und Leſeſalon. Über das Betragen der Engländer beſchwerte ſich der Zahlmeiſter ſehr. Sie ſeien frech gegen das Pflegeperſonal und würden ſeinen Anweiſungen keine Folge leiſten. Bei den deutſchen Gefangenen wäre derartiges noch nicht vorgekommen. Darauf mußten wir alle nochmals mit unſerem Rettungsgürtel an⸗ treten. Die Beſatzung zeigte uns, wie man dieſelben an⸗ zulegen hätte. Dann bekam jeder ſein Rettungsboot angewieſen. Auf jedes Boot kamen etwa 14 Schiffsgäſte und 1—2 Mann von der Beſatzung. Um 12 Uhr wurden wir zum Mittagsmahl gerufen. In einem großartig aus⸗ geſtatteten Speiſeſalon verſammelten ſich die Gäſte vom Hinterſchiffe und eine Stunde ſpäter die vom Vorderſchiffe, da der Raum nur für 150 Mann eingerichtet war. Wir wurden feſtlich bewirtet, die Schweſtern unterſtützten die Schwerverwundeten. Die Speiſen, die in reichlichem Maße aufgetragen wurden, beſtanden aus Suppe, Kartoffeln, Gemüſe und Fleiſch. Wie uns dies ſchmeckte, kann ſich ein jeder denken. Auch Wein, Bier, Cognak uſw. bekamen wir. In der Gefangenſchaft hatten wir keinen Alkohol zu
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