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Fleiſchſchuß durch beide Becken. Beſchwerte man ſich bei dem Kommandanten über irgend etwas, ſo mußte man ſich der Gefahr ausſetzen, nicht ausgetauſcht zu werden. Man ertrug deshalb mit Geduld ſein Schickſal, hoffte man doch, dieſes Elend nicht mehr allzulange tragen zu müſſen.
Am 28. Januar 1918 wurde der dritte Transport im Lager verleſen. Diesmal befand ich mich nun auch unter den Glücklichen. Am 31. Januar abends 8 Uhr mußten wir antreten. Es waren etwa 250 Invaliden und 10 Mann vom Sanitätsperſonal. Wir wurden in eine große Halle geführt, wo eine gründliche Körperunterſuchung und des Gepäcks ſtattfand. Alle Wollſachen(hauptſächlich Schale, Decken, die unſer Eigentum waren, ſowie geſchnitzte Bilderrahmen, Taſchenmeſſer, Eßbeſtecks und alle ſchriftlichen Sachen) wurden uns abgenommen, ja ſogar eigene Unter⸗ wäſche und Uniformſtücke. Man behielt nichts übrig, als das, was man auf dem Körper hatte und etwas zerriſſene Wäſche. Die Unterſuchung wurde von Offizieren vorge⸗ nommen. Nachdem dieſelbe beendet war, wurden diejenigen, die nicht laufen konnten, auf Laſtautos geladen und nach der Bahn gefahren. Wir anderen marſchierten. Die übrigen Kameraden riefen uns nochmals ein„Lebe wohl“ zu und ſo ſchieden wir in der Hoffnung, daß auch ſie bald nach⸗ folgen würden, von ihnen.
Das Lager, wo wir noch ſo viel Elend und Schmach erdulden mußten, entſchwand bald unſeren Blicken. Etwa gegen 11 Uhr abends waren wir auf dem Bahnhofe Brokton angelangt. Der für uns beſtimmte Sonderzug war noch nicht eingetroffen. Langſam verrann eine Stunde nach der anderen in Kälte und Schnee. Die Invaliden ſtanden da und froren. Ein Unterſchlupf war nicht zur Verfügung.
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