cher verſuchte, eine Beſchwerde beim Kommandanten vor⸗ zubringen, wurde abgewieſen und kam ſofort in ein anderes Lager und hatte keine Berechtigung mehr zum Austauſch. Wir 11 geſunden Leute nahmen nun jede Arbeit an uns. Ich kam in die Küche als Koch, ein anderer übernahm das Amt des Lagerälteſten. Die übrigen widmeten ſich dem Pflegedienſt für unſere armen Kameraden. Das Eſſen war hier ſehr ſchlecht, die Rationen, die der Engländer lieferte, waren ſehr knapp. So gab es pro Tag etwa 120 gr Weißbrot und 80 gr Zwieback, welcher nicht zu genieſen war, und einmal Eſſen am Tage.
Bei einem großen Teil der Schwerverwundeten wa⸗ ren die Wunden noch nicht geheilt. Ein Arzt hatte ſich bis dahin nur ſelten ſehen laſſen. Die Verbände waren mit Schmutz bedeckt und neues Verbandmateriel wurde nicht geliefert. Nach etwa 8 Tagen änderten ſich die Verhält⸗ niſſe. Ein neuer Arzt, der jetzt regelmäßig ins Lager kam, war etwas mehr um unſere Kameraden beſorgt. Er ſchaffte Verbandmaterial herbei, aber doch in unzureichendem Maße. (In England iſt das Verbandmaterial ſehr knapp). Wie lange wir noch hier bleiben mußten, wußten wir nicht, denn Zeitungen gelangten nicht in unſer Lager, wodurch man vielleicht etwas über unſeren Austauſch hätte erfahren können. Da es nun ſchon Dezember war und die Kälte zunahm, wurde die Lage für uns, beſonders aber die Ver⸗ wundeten, immer ſchlimmer. Kohlen wurden bis zum 20. Dezember überhaupt nicht geliefert. Die Baracken, die mit 38— 40 Mann belegt waren, waren undicht und naß. Trotz unſerer unglücklichen Lage, ging der deutſche Humor nicht verloren. Die Einbeinigen vertrieben ſich die Zeit mit Parademarſchübungen und die Einarmigen führten die
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