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An einem Sonntage, es war am 25. November 1917, ließ mich der Kommandant rufen. Ich wußte nicht, was los war. Eines Vergehens war ich mir nicht bewußt und war deshalb ganz erſtaunt. Als ich zu ihm kam, warteten ſchon einige Kameraden. Ein Dolmetſcher erklärte uns ſo⸗ dann, wir ſollten unſer Gepäck ſofort fertig machen und abgeben. Morgen früh um 6 Uhr ſollten wir antreten, wir würden ausgetauſcht. Aber weiter hörte ich nichts mehr. Ich eilte ſofort auf die Hütte zurück, um meine Kameraden von dieſer frohen Botſchaft zu benachrichtigen. Was das für eine Freude für mich war, kann ſich jeder denken. Ich packte ſofort meinen Hausrat zuſammen und brachte mein Gepäck auf die Kommandantur. Wir waren im Ganzen 11 Glückliche von 1400 Gefangenen, die jetzt die Heimat wiederſehen ſollten. Es herrſchte an dieſem Sonntage noch großer Jubel und Freude in unſerem Lager. Ich war ganz glücklich. Die Nacht verbrachte ich ſchlaflos. Mit meinen Gedanken war ich ſchon in der Heimat und malte mir die Freude und Überraſchung meiner Angehörigen aus uſw.
Der Abſchied fiel trotzdem ſchwer. Ich mußte mich von meinen beſten Freunden, mit denen ich 16 Monate lang Freud und Leid geteilt hatte, trennen. Wie gerne wären ſie jetzt alle mitgegangen. Sie beneideten mich des⸗ halb. Faſt ſämtliche Lagerinſaſſen hatten ſich an dem Tore verſammelt, als wir am nächſten Morgen antraten. Unſere Lagerkapelle brachte uns noch ein Abſchiedsſtändchen und unter rauſchendem Hurra fuhr das Laſtauto nach Delmel— lington zu. Doch hier ſollten wir Pech haben, denn auf dem Bahnhofe angelangt, verließ der Zug gerade die Sta⸗ tion. Schnell wurde ein anderes Auto herbeigeſchafft und
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