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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
Entstehung
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bald den Weg, der zu unſerem Lager führte. In einem Graben fanden wir einen Poſten, der zuſammen gebrochen war. Wir hoben ihn auf. Einer nahm ſein Gewehr und wir anderen trugen ihn abwechſelnd. In dieſem Zuſtande kamen wir am Lager an und brachten zunächſt den Poſten, der ſchon völlig ergraut war, auf die Wache. Der Offizier war völlig überraſcht, als wir ihm das Gewehr übergaben.

Er dankte uns und verſprach, daß wir Morgen nicht zur Arbeit heraus brauchten. Es war etwa gegen 10 Uhr und noch immer waren meine Kameraden nicht alle da. Der letzte Mann kam etwa gegen 12 Uhr an. In der Hütte angekommen, zogen wir uns ſofort um. Alles, was wir auf dem Körper hatten, konnten wir völlig ausringen. Da auf jede Hütte einige Tage vorher ein Ofchen gekommen war, konnten wir wenigſtens unſere naſſen Kleidungsſtücke trocknen. Kohlen bekamen wir jedoch keine. Das Heiz⸗ material hatten wir uns ſelber zuſammen geſucht. Wir brauchten an dem nächſten Tage auch nichts zu arbeiten. Viele wurden krank. Wer hier erkrankte, war ſehr ſchlecht daran. Ein Arzt ließ ſich vielleicht alle 8 Tage einmal ſehen. Vier Mann ſtarben infolge einer Magenkrankheit. Noch eine unmenſchliche Behandlung von Seiten eines eng⸗ liſchen Arztes möchte ich erwähnen. Ein junger Kavalleriſt, der ſchon ſeit 1914 in engliſcher Gefangenſchaft ſchmachtete, zog ſich ein Geſchwür am Halſe zu. Trotzdem er ſich wie⸗ derholt krank gemeldet hatte, mußte er mit zur Arbeit gehen. Eines Tages brach er beddf tlos auf der Arbeits⸗ ſtelle zuſammen. Er wurde erſt auf Drängen und Bitten unſererſeits ins Lager verbracht. Auſcheine end hatte er ſich noch eine Blutvergiftung zugezogen. Glücklicherwei ſe war ein Arzt im Lager anweſend, der den kre anken Kameraden