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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
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dahingleitend? Plötzlich gab es einen lauten Krach. Das Flugzeug ſtellte ſich auf den Kopf und verſank in den Fluten. Ich beobachtete, daß ein Flugzeug⸗Inſaſſe ſchwer verwundet, gerettet wurde, was mit dem zweiten geſchah, konnte ich nicht feſtſtellen. Wahrſcheinlich hat er in den Fluten den Tod gefunden. Das Flugzeug war auf eine Klippe, die im Waſſer hervorſtand, aufgefahren. Der dritte Verſuch beſtand aus einer Probefaht auf der Fliegerziel wurfbahn. Die Bahn war folgendermaßen gebaut: Auf einem etwa 800 m hohen Berg wurde in einem Halbkreis den Berg herunter ein Schienenſtrang gelegt, auf welchem gepanzerte Wagen mit einem Flugzeugverdeck liefen. Der Wagen wurde mittels üü Dampfmaſchine an ſteilen An⸗ hängen heraufgezogen. Die Halbkreisbahn war ungefähr 2 ½ km lang; der Lnna war mit einer ſelbſttätigen Bremſe verſehen. Se begannen die Engländer ihren erſten Verſuch. Wir ſelbſt mußten uns etwas abſeits ſtellen und konnten das Iban piel ſehr gut beobachten. Nach⸗ dem der Wagen den Berg hinaufgezogen war, wurde er oben losgelaſſen und ſaußte mit blitzartiger Geſchwindig⸗ keit die ſteile Halbkreisbahn herunter. Ein Flugzeug ver⸗ folgte den Wagen. Doch zum Schrecken der Engländer verſagte die Bremſe, der Wagen rannte in voller Wucht unten gegen einen Felſen, wo er völlig zerſchellte. Wir konnten ein lautes Gelächter nicht unterdrücken, was die Engländer in noch größere Wut verſetzte.

An einem Tage darnach war es wieder einmal äußerſt ſtürmiſch. Das Überfahren ging morgens noch glatt von ſatttn Doch gegen Mittag ſetzte der Sturm immer heftiger ein. Die Wellen auf dem See gingen ſchon über 1 m hoch. Der Regen fiel in Strömen nieder. An eine Üüber⸗

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